Mehr Läsionen bei MS als bisher angenommen

Berlin (sr) – Forschern der Berliner Charité und des Max Delbrück Centrums für Molekulare Medizin (MDC) gelang es nun mithilfe eines 7-Tesla-Magnetresonanztomographen (MRT) bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) fast doppelt so viele Schäden im Gehirn nachzuweisen wie mit den in der Routine-Diagnostik verwendeten MRT-Geräten.Nervenzellen sind von einer isolierenden Schicht, dem Myelin umgeben. Bei der Multiplen Sklerose (MS) wird diese Isolationsschicht an vielen Stellen von Entzündungszellen angegriffen und teilweise zerstört. An den  Entzündungsherden bilden sich Vernarbungen (Läsionen), die mit Hilfe der Magnetresonanz-Tomographie (MRT) im Gehirn von MS-Patienten sichtbar gemacht werden können und Auskunft über das Fortschreiten der Erkrankung geben. In der Routinediagnostik der MS werden zum Nachweis solcher Läsionen üblicherweise Geräte mit 1,5 oder 3 Tesla verwendet („Tesla“ gibt die Stärke des Magnetfeldes an).In einer aktuellen Studie konnten Forscher der Charité und des MDC um Prof. Friedemann Paul in Zusammenarbeit mit der Berliner „Ultrahigh-Field Facility“ (Leitung: Prof. Thoralf Niendorf) 20 MS-Patienten mit einem Ultrahoch-Feld (7-Tesla)-MRT untersuchen. Dabei fanden sie insgesamt fast doppelt so viele Läsionen wie bei konventionellen Untersuchungen bei 1,5 Tesla.„Mit der verbesserten Auflösung des 7-Tesla-MRT konnten wir Läsionen sichtbar machen, die bislang nicht nachweisbar waren. Die strukturellen Schäden, die Multiple Sklerose im Gehirn der Patienten verursacht, scheinen somit sehr viel größer zu sein als bislang angenommen. MS-Patienten sollten daher in Zukunft sehr viel früher und noch konsequenter behandelt werden“, empfiehlt Prof. Paul.Quelle: NeuroCure Pressemitteilung vom 29.02.2012, Publikation: T. Sinnecker et al. Archives of Neurology published online Feb. 20, 2012. doi:10.1001/archneurol.2011.2450).