Mit MS frei von inneren und äußeren Barrieren


Am internationalen Tag der Menschen mit Behinderung rücken diejenigen in das öffentliche Interesse, die – mit mehr oder minder schweren Handicaps – immer wieder von Barrieren ausgebremst werden. Von Barrieren in Köpfen, jedoch auch von tatsächlichen Hindernissen im Alltag. Wir denken insbesondere an alle Menschen mit MS, zeigen ihre Barrieren auf und geben Tipps, wie diese überwunden werden können.

 

Am internationalen Tag der Menschen mit Behinderung rücken diejenigen in das öffentliche Interesse, die – mit mehr oder minder schweren Handicaps – immer wieder von Barrieren ausgebremst werden. Von Barrieren in Köpfen, jedoch auch von tatsächlichen Hindernissen im Alltag. Wir denken insbesondere an alle Menschen mit MS, zeigen ihre Barrieren auf und geben Tipps, wie diese überwunden werden können.

Multiple Sklerose: Offensichtliche Barrieren und (un)sichtbare Handicaps

Auch Menschen mit MS geraten sehr häufig an Barrieren. Und dabei nicht selten in Erklärungsnot, da man ihnen ihre Handicaps häufig noch nicht einmal auf den zweiten Blick ansieht: Die Krankheit der 1.000 Gesichter wartet mit unsichtbaren Symptomen auf – mit denen Patientinnen und Patienten zwar unter Einschränkungen leiden, die für Außenstehende jedoch nicht erkennbar sind. Dies können Sehstörungen, Fatigue, kognitive Störungen, Blasen- und Darmstörungen, Schlafstörungen, Schmerzen, Sensibilitätsstörungen aber auch Sprech-, Atem- oder Schluckprobleme sein. Diese Symptome werden häufig als sehr belastend empfunden, wenn das Umfeld mit Unverständnis und Abweisung reagiert. Auch viele an MS Erkrankte haben selbst Probleme diese Symptome als Zeichen ihrer MS zu erkennen und zu akzeptieren.¹

Was hilft gegen unsichtbare Symptome?

Sprich mit Deinem Arzt über alle Symptome, die bei Dir auftreten. Vielleicht handelt es sich um MS-Symptome, die bislang in der Therapie unberücksichtigt blieben. Wenn Dir Deine Mitmenschen mit Unverständnis begegnen, gräme Dich nicht. Vielleicht kannst Du sogar versuchen Verständnis für sie aufzubringen? Ihre unbedachten Äußerungen und Reaktionen verraten doch nur ihre Unwissenheit. Deine Unterstützung ist gefragt: Im Freundes- und im Kollegenkreis solltest Du erklären und beschreiben, was mit Dir los ist, wenn Du unter unsichtbaren Symptomen leidest. Damit gibst Du Deinem Umfeld häufig erst die Chance Verständnis für Dich aufzubringen.

Barrierefrei durch den Alltagt

Leider ebnen auch sichtbare Einschränkungen nicht automatisch den Weg. Die Rolli-Nutzer unter Euch werden ein Lied davon singen können. Barrierefreiheit im öffentlichen Raum ist leider noch nicht selbstverständlich, auch wenn sich schon viel getan hat. Wenn es jedoch um Deine Wohnung oder Deinen Arbeitsplatz geht, kannst Du leicht selbst aktiv werden, um Deine Umgebung nach Deinen Bedürfnissen zu optimieren. Es gibt zahlreiche Förderprogramme von verschiedenen Stellen, die bei der Finanzierung helfen, bzw. die Kosten teilweise auch komplett übernehmen. Eine gute Übersicht zum Einlesen findest Du hier.

Barrierefrei urlauben

Lass Dich nicht entmutigen, wenn Dein Traumziel – scheinbar – nicht in Frage kommt. Du willst unbedingt einmal Venedig sehen, fürchtest Dich aber vor den unzähligen Stufen und überfüllten Gassen? Klar ist das mit Rolli oder Bewegungseinschränkungen auf den ersten Blick kaum oder nur schwer machbar. Aber deshalb ist Venedig noch lange nicht gestorben: Warum nicht auf dem Festland Quartier beziehen, beispielsweise in Padua, und Venedig von der Wasserseite im Rahmen einer Bootstour erkunden?² Und mal ehrlich: Wer lässt sich denn schon gerne durch enge Gassen drängen, wenn die unzähligen Kanäle einen viel entspannteren Blick auf Venedig bieten? Manchmal muss man Träume eben ein bisschen an die Realität anpassen. Und wird nicht selten mit Erlebnissen belohnt, die noch viel schöner sind. Ihr spürt schon das Reisefieber? Hier gibt es schon mal einen guten Überblick zum Thema barrierefrei reisen.

Unsichtbare Handicaps ausweisen?

Hast Du das Gefühl, dass Rücksicht und Verständnis Deines Umfelds alleine nicht (mehr) ausreichen, um aktiv am Leben teilzunehmen? Der Gesetzgeber sieht besondere Unterstützung für Menschen mit Handicaps vor: Dazu zählen beispielsweise berufsfördernde Leistungen² – was insbesondere für Menschen mit MS sehr wichtig werden kann. Du hast dieses Thema bislang ausgelassen, weil Du Angst hast, dann abgestempelt zu sein? Auf keinen Fall! Menschen mit Handicap benötigen eben mehr Rücksichtnahme und Unterstützung. Damit das alle verstehen und berücksichtigen, werden Handicaps dokumentiert und als Grad der Behinderung (GdB) eingestuft – ein formaler Akt. Ein Behindertenausweis stempelt Dich nicht ab, er ist letztendlich nur ein offizielles Dokument. Ein Türöffner, der Dein Recht festschreibt, auch weiterhin ein aktives und zufriedenes Leben zu führen. Weil Du damit die Unterstützung bekommst, die Du brauchst.³ Hier findest Du weitere Infos zum Thema MS und Behinderung.

 

¹ Iris Humpenöder: Unsichtbare Symptome der MS, erschienen am 11.06.2016, Südwestpresse online: http://www.swp.de/ulm/nachrichten/vermischtes/unsichtbare-symptome-der-ms-13288757.html zuletzt abgerufen am 03.11.2016

² Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft: Online Quelle http://www.dmsg-niedersachsen.de/multiple-sklerose/recht-f%C3%BCr-ms-erkrankte.html – zuletzt abgerufen am 11.11.2016

³ http://www.dmsg-niedersachsen.de/multiple-sklerose/recht-f%C3%BCr-ms-erkrankte.html – zuletzt abgerufen am 11.11.2016