MS-Behandlung mit krankheitsmodifizierenden Präparaten verlängert Zeitraum bis zum Übergang in eine sekundär progressive MS

Göteborg (sr) – Die derzeit zur Behandlung der schubförmigen Multiplen Sklerose eingesetzten krankheitsmodifizierenden Präparate der ersten Generation reduzieren nicht nur die Schubfrequenz, sondern können offensichtlich auch den Übergang einer schubförmigen zu einer sekundär progressiven MS (SPMS) verzögern. Darauf deuten die Ergebnisse einer Studie hin, die Prof. Oluf Andersen vom Institut für Neurowissenschaften und Physiologie der Universität Göteborg zusammen mit einer Gruppe weiterer schwedischer Forscher in der Fachzeitschrift „Multiple Sclerosis Journal“ veröffentlicht hat. Die Wissenschaftler verglichen in Ihrer Studie 730 Patienten mit schubförmiger MS, die mit modernen krankheitsmodifizierenden Arzneimitteln behandelt wurden, mit 180 zufällig ausgewählten historischen Kontrollpatienten (Patienten, die zwischen 1950 und 1964, also vor der Verfügbarkeit dieser Substanzen an schubförmiger MS erkrankt waren). Analysiert wurde in beiden Gruppen die Zeit bis zur Entwicklung einer sekundär progressiven MS. Dabei zeigte sich, dass die mit krankheitsmodifizierenden Substanzen behandelten Patienten tatsächlich erst sehr viel später eine SPMS entwickelten als die historischen Kontrollpatienten. Allerdings war die abhängig von Alter, Krankheitsschwere und Geschlecht: Je älter die Patienten waren und je schwerer die MS ausgeprägt war, desto kürzer war die Zeit bis zum Übergang in eine SPMS. Bei Frauen war die Zeit bis zum Übergang in die progressive Form länger als bei Männern. „Wir haben auch untersucht, ob dieser Effekt vielleicht durch mehr Fälle von „gutartigen“ MS- Formen in der behandelten Gruppe zustande kam“, erklärt Prof. Andersen. Wir haben allerdings keine großen Unterschiede in der Zusammensetzung beider Gruppen gefunden, so dass der beobachtete Effekt auf die langfristige Behandlung mit den krankheitsmodifizierenden Präparaten der ersten Generation zurückzuführen ist“.Quelle: Multiple Sclerosis Journal 2013, Band 19, S. 765-774