MS teilweise genetisch bedingt?

Ann Arbor (sr) – Schon länger ist bekannt, dass Verwandte von MS-Erkrankten ein etwa 15-fach erhöhtes Risiko haben, ebenfalls an MS zu erkranken. So liegt die Vermutung nahe, dass die MS zumindest teilweise auch genetisch bedingt sein könnte. Allerdings waren die Hinweise auf eine genetische Beteiligung bisher eher gering. Nur für die Träger eines bestimmten Gens im Haupthistokompatibilitätskomplex II (MHC-II), einer komplizierten Eiweißstruktur, die im Immunsystem eine große Rolle spielt, hat man ein 3-fach erhöhtes Risiko für eine MS festgestellt. Dieses Gen findet man allerdings bei bis zu 25% der Bevölkerung ohne, dass diese an MS erkranken.Einem internationalen Wissenschaftlerteam aus den USA und China ist es nun gelungen, ein Gen zu identifizieren, dessen Träger ein 13-fach erhöhtes Risiko haben an MS zu erkranken. Dr. Lizhong Wang und seine Kollegen identifizierten eine Variante im Gen des CD 24 Moleküls. CD 24 ist ein Eiweiß, das an der Regulierung des Immunsystems beteiligt ist. Zumindest im Tierversuch konnte für die Substanz auch schon eine Beteiligung an der Entstehung von Entzündungen im Zentralnervensystem nachgewiesen werden. Das veränderte Gen fanden die Wissenschaftler bei 4,8% der untersuchten MS-Patienten, aber nur bei 0,4 % der gesunden Kontrollpersonen. Damit ist es wesentlich spezifischer für MS als der MHC-II- Komplex. Außerdem scheinen die Patienten mit der Variante im CD 24 Gen auch eine schlechtere Prognose zu haben: 8 % der Betroffenen hatten einen EDSS-Wert über 6, während das bei MS Patienten ohne die Genvariante nur bei 2 % der Fall war.Quelle: springer-medizin.de, Proceedings of the National Academy of Sciences, Epub 15.12.2011