MS und Kinderwunsch

Etwa drei Viertel aller Patienten mit Multipler Sklerose (MS) sind Frauen. Die meisten sind im gebärfähigen Alter. Das sollte die Therapiewahl berücksichtigen.

Denn nicht immer sind Schwangerschaften geplant. Eine Frage, die MS-Betroffene mit Kinderwunsch immer wieder bewegt, ist: „Wie sollte ein akuter Schub während der Schwangerschaft behandelt werden?“ Über diese Frage gab PD Dr. Kerstin Hellwig, Bochum, auf dem 11. Interaktiven MS- Symposium von Merck Serono in Hamburg umfassende Auskünfte.

Schubtherapie während der Schwangerschaft?
Da für Kortison eine schwache teratogene (fruchtschädigende) Wirkung beschrieben ist, sollte es vor der zwölften Schwangerschaftswoche nur mit äußerster Zurückhaltung eingesetzt werden, riet Hellwig. Sie warnte insbesondere vor einer Spaltbildung, da der Gaumensegelschluss in der achten bis elften Woche vollzogen wird. Im Tierversuch wurde ein Spaltrisiko in der Größenordnung von 1:1.000 beobachtet. In einigen Studien war hingegen keinerlei Risiko zu erkennen. Insgesamt sei es aber nicht gänzlich auszuschließen. Zwar würden Cortisol und Prednisolon in der Plazenta weitgehend über Enzyme abgebaut und es kämen nur zehn Prozent beim Embryo an, bei Dexamethason seien es aber 100 Prozent. Kurzzeitig sei eine Schubtherapie mit hochdosierten Kortisonstößen durchaus möglich. Bei häufigeren und vor allem bei kontinuierlichen Steroidgaben könne es allerdings zur Frühgeburt durch vorzeitige Fruchtblasenruptur kommen sowie zu Elektrolytstörungen und Unterzuckerungen bei Neugeborenen.