Multiple Sklerose im Alter wird häufig spät diagnostiziert

Bamberg (sr) – Multiple Sklerose (MS) trifft im Allgemeinen vor allem junge Menschen. Typischerweise wird sie im zweiten oder dritten Lebensjahrzehnt diagnostiziert. Dass die Krankheit aber auch bei älteren Menschen neu auftreten kann, darauf weist Prof. Peter Rieckmann von der Neurologischen Klinik in Bamberg in einem Artikel in der Fachzeitschrift Neurogeriatrie hin. „Die Diagnose einer ‚spätbeginnenden‘ MS, d. h. eine Erstdiagnose nach dem 50. Lebensjahr, wird bei 3-5 % aller MS-Patienten gestellt“, erklärt Prof. Rieckmann. Wesentlich häufiger als bei jüngeren MS-Patienten manifestiert sich die MS Älterer durch das gleichzeitige Auftreten mehrerer Symptome, wobei typischerweise spastische Paresen (Lähmungen, die mit einer erhöhten Muskelspannung einhergehen), Störungen der Bewegungskoordination oder Hirnleistungsstörungen im Vordergrund stehen. Leider ist in dieser Altersgruppe auch die Zeitspanne zwischen dem ersten Auftreten von Symptomen und der Diagnose einer MS relativ lang. Das liegt daran, so Rieckmann, dass bestimmte Begleiterkrankungen, die ähnliche Symptome hervorrufen können wie die MS, wie Schlaganfall, Tumore, bestimmte Augenerkrankungen etc. bei der Diagnose ausgeschlossen werden müssen.„Vieles spricht dafür, dass der scheinbar schwerere Verlauf der MS mit Spätmanifestation dadurch begründet ist, dass ihm eine längere nicht diagnostizierte Erkrankungsphase vorausgeht“, resümiert Prof. Rieckmann. „Bei der klinischen Manifestation liegt also schon ein fortgeschrittenes Stadium vor.“Bei der immunmodulatorischen Therapie älterer MS-Patienten müssten neben möglichen Begleiterkrankungen auch altersbedingte Veränderungen im Immunsystem berücksichtigt werden. Von Bedeutung sei aber auch, dass körperliche Aktivität den Verlauf der MS günstig beeinflussen kann und mit geringerer Fatigue und höherer Lebensqualität einhergehe.Quelle: P. Rieckmann, Neurogeriatrie 201;18:61-62