Multiple Sklerose: Stillen oder nicht stillen?

Ein Kind zu bekommen, gehört zu den schönsten Dingen des Lebens. Bevor es so weit ist, gibt es aber viele Sachen zu klären. So fragst Du Dich zum Beispiel, ob Du Dein Baby trotz MS stillen kannst? Anlässlich der Weltstillwoche, die vom 3. bis 9. Oktober stattfindet, haben wir für Dich alle Fakten rund um das Thema Stillen bei MS zusammengefasst.

Ein Kind zu bekommen, gehört zu den schönsten Dingen des Lebens. Bevor es so weit ist, gibt es aber viele Sachen zu klären. So fragst Du Dich zum Beispiel, ob Du Dein Baby trotz MS stillen kannst? Anlässlich der Weltstillwoche, die vom 3. bis 9. Oktober stattfindet, haben wir für Dich alle Fakten rund um das Thema Stillen bei MS zusammengefasst.

Stillen fördert nicht nur die Bindung zwischen Dir und Deinem Kind. Es schützt Dein Baby in den ersten Wochen auch vor Krankheitserregern. Denn in der Muttermilch sind Antikörper enthalten, die zum Aufbau des Immunsystems beim Kind beitragen. In der so genannten Vormilch, in Fachkreisen Kolostrum genannt, sind sogar noch weitere Abwehrstoffe enthalten, die zu einer besseren Abwehr von Infektionen beitragen.¹ ² Sollte es Dir aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich sein zu stillen, gibt es Alternativen, mit denen Du Dein Kind füttern kannst.

Stillen und Schübe

Die Hormonumstellung in der Schwangerschaft sorgt dafür, dass Deine Schubrate in der Zeit der Schwangerschaft kontinuierlich abnimmt (bis zu 80 Prozent im letzten Drittel)³. Nach der Geburt steigt Dein Risiko, einen Schub zu erleiden, allerdings wieder an. Knapp ein Drittel der Frauen mit MS erleiden in den ersten drei Monaten nach der Geburt einen Schub.⁴ ⁵ Stillen kann dieses Risiko reduzieren. Studienergebnisse zeigen, dass Mütter, die ihre Kinder zwei Monate nach der Geburt ausschließlich stillten, seltener einen Schub erlitten, als Mütter, die ihre Kinder nicht stillten oder neben dem Stillen mit Beikost fütterten.5 Der Grund: Ausschließliches Stillen zögert den Beginn des weiblichen Zyklus nach der Geburt hinaus. Sobald sich der Hormonhaushalt nach der Geburt wieder eingependelt hat und die Periode bei Frauen mit MS einsetzt, steigt ihre Gefährdung für einen Schub an. Warum das so ist, wurde bisher noch nicht eindeutig geklärt.⁶ Es wird vermutet, dass während des Zyklus ausgeschüttete Zytokine – vom menschlichen Körper hergestellte Eiweiße – das Schubrisiko erhöhen. Stillen kann somit den ersten Schub nach der Schwangerschaft zurückhalten.⁵

Stillen und Medikamente

Viele MS-erkrankte Frauen machen sich vor allem rund um das Thema Medikamente, Schwangerschaft und Stillzeit Gedanken. Vielleicht hast auch Du Dich schon gefragt, ob es hier zu Problemen kommen kann. Prinzipiell ist zu sagen, dass die meisten gängigen Medikamente in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht beziehungsweise nur eingeschränkt eingenommen werden können.⁷ Bevor es konkret wird, ist es wichtig, dass Du daher ausführlich mit Deinem Arzt sprichst. Solltest Du während der Schwangerschaft oder Stillzeit einen Schub bekommen, empfehlen wir Dir, auch diesbezüglich Deinen Arzt zu kontaktieren und gemeinsam mit ihm eine für Dich und Dein Kind passende Lösung zu finden.

Was tun, wenn ich nicht stillen kann?

Solltest Du aus gesundheitlichen Gründen nicht stillen können, ist es wichtig, dass Du mit Deinem Arzt besprichst, wann Du nach der Geburt wieder mit Deiner Therapie startest.8 Ein früher Start kann das Risiko, einen Schub zu erleiden, senken. Mit Deiner Hebamme oder Deinem Arzt kannst Du besprechen, welche Alternativen es für die Ernährung Deines Babys gibt.

 

¹ Berufsverband der Frauenärzte e.V. und Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (2016): Stillen. Optimaler Schutz vor Krankheitserregern. Online-Quelle. URL: http://www.frauenaerzte-im-netz.de/de_stillen-optimaler-schutz-vor-krankheitserregern_190.html zuletzt abgerufen am 02.09.2016

² Anja Bier, Gabriele Nindl & Gabriele Kussmann (2013): Bindung und Stillen – Ein Thema für die Kinder- und Jugendtherapie? Online-Quelle. URL: http://www.stillen-institut.com/asp_service/upload/content/Bindung_und_Stillen_VTKiJu_2013.pdf, zuletzt abgerufen am 02.09.2016

³ Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum (2012): MS und Schwangerschaft. Online-Quelle. URL: http://www.ms-und-kinderwunsch.de/allgemeine-informationen/ms-und-schwangerschaftwechselwirkung.html, zuletzt abgerufen am 02.09.2016

⁴ Confavreux C, Hutchinson M, Hours MM, Cortinovis-Tourniaire P, Moreau T. Rate of pregnancy-related relapse in multiple sclerosis. Pregnancy in Multiple Sclerosis Group. The New England journal of medicine 1998;339:285-91.

⁵ AMSEL e.V. (2015): Mindert das Stillen die Schubrate bei MS? Online-Quelle. URL: http://www.amsel.de/multiple-sklerose-news/medizin/Mindert-das-Stillen-die-Schubrate-bei-MS_5996, zuletzt abgerufen am 21.09.2016

⁶ Eckert Nadine (2015): Junge Mütter mit Multipler Sklerose: Stillen anstelle von MS-Medikamenten als wirksame Therapie „mit natürlichem Enddatum“. Online-Quelle. URL:
http://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4904052?nlid=88323_3081#vp_2, zuletzt abgerufen am 08.09.2016

⁷ Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum (2012): Schwangerschaft/Stillzeit und MS Medikation. Online-Quelle. URL: http://www.ms-und-kinderwunsch.de/allgemeine-informationen/schwangerschaftstillzeit-und-ms-medikation.html, zuletzt abgerufen am 02.09.2016