Multiple Sklerose verändert die Gehirnarchitektur

Hamburg (sr) – Im Normalfall funktioniert das menschliche Gehirn wie eine Art Schaltzentrale. Verschiedene Nervenfasern leiten die Impulse über das Rückenmark zum Körper und werden dort empfangen. Diese Nervenfasern sind mit einer „Isolierschicht“, dem Myelin, umgeben. Wird diese Myelinschicht zerstört, wie es bei der Multiplen Sklerose der Fall ist, kommt es zu Störungen der Nervenleitung und der Kommunikation zwischen den Nerven. Im weiteren Verlauf führt dies zu schweren Bewegungsstörungen oder zu Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen.Starke Kopplungen zwischen verschiedenen Hirnarealen wurden bisher als Zeichen für eine gute Informationsverarbeitung angesehen. Dass auch das Gegenteil der Fall sein kann, zeigte nun eine Forschergruppe um Professor Andreas Engel von der Universitätsklinik Eppendorf in Hamburg. Die Forscher konnten nachweisen, dass bestimmte Hirnareale umso mehr miteinander kommunizierten, je stärker die Nervenfasern im Gehirn geschädigt und kognitive Prozesse beeinträchtigt waren. Warum dies so ist, ist allerdings noch Gegenstand der Spekulation. Man vermutet, dass die neuronalen Netzwerke bei der MS durch den Verlust vieler Verbindungen weniger variabel werden und infolgedessen als Ausgleich verstärkt miteinander kommunizieren.Diese Ergebnisse könnten zur Entwicklung eines Monitoringsystems genutzt werden, mit dem sich das Ausmaß der Erkrankung besser einschätzen lässt. Auch glauben die Wissenschaftler, dass sie helfen könnten, Veränderungen der Gehirnarchitektur zukünftig auch bei anderen Krankheiten besser deuten zu können.Quelle: Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf, Unternehmenskommunikation, November 2011