Multiple Sklerose: Welche Rolle spielen „schlafende“ Viren?

Düsseldorf (sr) – Bei der Multiplen Sklerose (MS) werden durch ein fehlgeleitetes Immunsystem zelluläre Komponenten des Gehirns und Rückenmarks angegriffen und zerstört. Ziele dieses Angriffs sind vor allem die sogenannten Markscheiden. Dies sind die Strukturen, die die Nervenfortsätze elektrisch isolieren, somit eine schnelle Reizweiterleitung ermöglichen und die verantwortlich dafür sind, dass das menschliche Nervensystem effizient arbeiten kann. Bislang sind die Ursachen dieser Erkrankung nur unzureichend geklärt und man geht allgemein davon aus, dass viele Faktoren an der Auslösung dieser Krankheit beteiligt sind und deren Verlauf bestimmen können.Schon seit längerer Zeit stehen auch Viren im Verdacht MS (mit)auszulösen. Allerdings ist ein schlüssiger Beweis hierfür noch nicht erbracht. Eine Arbeitsgruppe am Neurologischen Universitätsklinikum Düsseldorf unter Leitung von Prof H.-P. Hartung hat nun zusammen mit Zell- und Molekularbiologen sowie Virologen aus Homburg (Saar), Grenoble und Genf ein internationales Verbundprojekt etabliert. Gemeinsam wollen die Forscher der Frage nachgehen, ob und wie so genannte endogene Retroviren den Krankheitsverlauf und die Regenerationsmechanismen bei der Multiplen Sklerose (MS) beeinflussen.Dabei handelt es sich um im menschlichen Erbgut eingebaute „schlafende“ Viren mit dem Namen HERV-W (humanes endogenes Retrovirus-W). Diese können reaktiviert werden und als virale Bestandteile oder komplette Viren im Blut oder in der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit u.a. von MS Patienten auftreten. Im Rahmen des Projektes sollen die krankmachenden Wirkungen bestimmter Virusbestandteile (sogenannte Hüllproteine) auf Immun-, Gefäß- und Stamm/Vorläuferzellen untersucht werden. Diese Grundlagenstudien werden zudem von einer klinischen Studie begleitet, bei der anti-Virus-Antikörper auf Ihre Verträglichkeit und therapeutische Wirksamkeit gegen MS getestet werden. Ziel des  Projekts ist die Erforschung neuer krankheitsauslösenden Elemente sowie neuer Therapiekonzepte zur Behandlung der MS.Quelle: Pressemitteilung der Heinrich Heine Universität Düsseldorf vom Februar 2012 veröffentlicht über den Informationsdienst Wissenschaft (http://www.idw-online.de/de/news463437).