MS kann mit zahlreichen Symptomen einhergehen, die einzeln betrachtet auch auf andere Erkrankungen hindeuten können.1 Die Diagnosestellung kann daher langwierig sein.1 Solltest Du den Verdacht haben, an MS erkrankt zu sein, wende Dich an Deinen Hausarzt. Er wird Deine Vermutungen überprüfen und Dich, sollte es erforderlich sein, an einen Neurologen überweisen. Dieser ist Spezialist für Erkrankungen des Nervensystems und kann schließlich feststellen, ob Du MS hast.

Untersuchungsmethoden

Den einen MS-Test gibt es nicht. Ob Du Multiple Sklerose hast, stellt der Neurologe durch verschiedene Untersuchungen fest:2

Anamnese

An erster Stelle führt der Neurologe eine Anamnese durch. Das heißt, er befragt Dich zu Deiner Krankheitsgeschichte2 Damit stellt er fest, welche Beschwerden Du wann hattest. 

Neurologische Untersuchung

Im Anschluss an die Anamnese folgt die neurologische Untersuchung. Dabei überprüft Dein Arzt Deine Hirn- und Nervenfunktionen. Das macht er zum Beispiel, indem er Deinen Gang und Deine Haltung inspiziert, Dich Grimassenschneiden oder mit geschlossenen Augen auf einem Bein stehen lässt.3 Er schaut außerdem, ob das Zusammenspiel der Nervenleitungen für Deine Harnblase, Deinen Mastdarm und Deine Sexualorgane funktioniert.2 Dazu befragt er Dich.4

Test auf „evozierte Potentiale“

Der neurologischen Untersuchung können sich weitere Tests anschließen. So kann der Arzt beispielsweise die Leitfähigkeit Deiner Nerven überprüfen.1 Dafür bringt er zwei Metallplättchen auf Deiner Haut an. Diese sind mit Drähten und einem speziellen Messgerät verbunden. Von diesem aus wird niedriger, ungefährlicher Strom durch Deine Nerven geleitet. Anhand von Muskelzuckungen und Empfindungen beurteilt Dein Arzt dann, ob Einschränkungen vorliegen.5 Die Nervenleitfähigkeit kann bei MS aufgrund der Zerstörung der Myelinschicht (Isolierschicht der Nervenfasen) eingeschränkt oder sogar vollständig unterbrochen sein.2

Lumbalpunktion

Auch eine sogenannte Lumbalpunktion kann dabei helfen, eine Diagnose zu stellen.1 Dabei wird aus dem Rückenmarkskanal etwas Liquor (Nervenwasser) entnommen. Im Anschluss wird dieses nach Hinweisen auf entzündliche Prozesse im Gehirn und Rückenmark untersucht.2

Blutuntersuchungen

Blutuntersuchungen werden ebenfalls bei Verdacht auf MS durchgeführt. Sie dienen dazu andere Erkrankungen auszuschließen. Mit ihrer Hilfe kann zudem ein Vergleich von Liquor- und Blutwerten erfolgen, um den Entzündungswert zu bestimmen.6

Test auf Augenbewegungen

Durch MS kann es zu Veränderung der Augenbewegungen kommen. Diese können mit der Elektronystagmographie (ENG) aufgezeichnet werden.6 Dafür werden den Patienten zwei Elektroden an die Stirn und an die Schläfe gesetzt. Mittels der Ergebnisse kann im Anschluss beurteilt werden, ob im zentralen Nervensystem Störungen vorliegen.7

Magnetresonanztomographie (MRT)

MRT gehört in gleicher Weise zu den Untersuchungsmethoden, sollte ein Verdacht auf MS bestehen.1 Mithilfe dessen ist es möglich, die Entzündungen, die durch MS im Gehirn und Rückenmark entstehen, sichtbar zu machen. Dafür wird Dir Kontrastmittel über die Vene ins Blut verabreicht. Sollten Entzündungen (Läsionen) zu erkennen sein, kann mittels verschiedener Messmethoden ermittelt werden, wie alt diese sind und ob bereits Gewebe zerstört wurde. Ein MRT dient nicht nur zur Diagnosestellung. Mit seiner Hilfe wird bei MS-Patienten auch der Krankheitsverlauf beobachtet.2

Sichere Diagnose

Um eine klare Diagnose zu stellen, stehen Deinem Arzt neben den einzelnen Untersuchungsmethoden die sogenannten McDonald-Kriterien 2010 zur Verfügung.1 Dabei handelt es sich um eine Liste, die zeigt, wann das Auftreten von bestimmten Symptomen beziehungsweise Läsionen in der Magnetresonanztomographie (MRT) für MS spricht. Was genau die Kriterien beinhalten, erfährst Du hier.

Anlaufstellen

Solltest Du die Diagnose MS erhalten, ist es wichtig, dass Du Deine Ängste und Sorgen nicht für Dich behältst. Sprich mit Deinem Arzt. Er kann Dir geeignete Informationen zur Erkrankung an die Hand geben und einen Kontakt zu Fachkräften herstellen, die Dich in speziellen Bereichen (zum Beispiel Beruf und Versicherung) unterstützen können. Du kannst natürlich aber auch selber den Kontakt zu Spezialisten suchen. Hier findest Du beispielsweise Experten, die Dich in Familienthemen unterstützen können.

Möchtest Du mehr zu den einzelnen Therapiemöglichkeiten wissen, ist Dein Neurologe die richtige Anlaufstelle. Er kann Dich zu den verschiedenen Behandlungen aufklären und Dir Informationen zu Medikamenten geben, die Dir ein freies und selbstbestimmtes Leben mit MS ermöglichen können. Mehr Informationen findest Du hier.