Das Krankheits-Bild der Multiple Sklerose ist sehr vielseitig. Das heißt die „typische MS“ gibt es nicht. Bei vielen Patienten tritt mehr als nur ein Symptom auf, aber immer in individueller Verbindung. Kaum ein Betroffener ist von allen möglichen Beschwerden betroffen.1 2

Die Ursache für die verschiedenen Symptome ist bei allen Patienten die Gleiche: Durch Entzündungen im Gehirn und im Rückenmark3 wird der Empfang, die Verarbeitung und die Weiterleitung verschiedener Reize wie Schmerz, Kälte und Wärme unterbrochen oder sogar dauerhaft gestört.4, 5 Als Folge können unterschiedliche Krankheits-Symptome bei Multipler Sklerose auftreten, die sich durch eine Therapie verringert oder sogar ganz verschwinden können.

Unterschiedliche Beschwerdezeitpunkte bei MS

Multiple Sklerose tritt in verschiedenen Verlaufsformen bei Patienten auf. Je nach Form äußern sich die Beschwerden bei den Betroffenen unterschiedlich.

Verlaufsformen der Multiplen Sklerose 

  • Schubförmige oder schubförmig-remittierende MS: Bei diesem Verlauf zeigen sich die Symptome während eines Krankheits-Schubes beim Patienten. Ein Schub kann einige Tage bis Wochen anhalten. Nach dieser Phase bilden sich die Symptome ganz oder teilweise zurück.6 In Zeiten, in denen kein Schub auftritt, kann die Erkrankung trotzdem weiter voranschreiten, sodass sie langfristig bleibende Schäden verursachen kann.7
  • Primär-progredienter Verlauf: Hier schreitet die Erkrankung kontinuierlich voran. Das heißt, die MS-Symptome verschlechtern sich auch ohne Schübe.6
  • Sekundär-progrediente MS: Diese Form beginnt zwar schubförmig, geht schließlich aber in eine Phase der kontinuierlichen Verschlechterung, mit oder ohne aufgesetzte MS-Schübe, über. Die Beschwerden nehmen allerdings fortlaufend zu.8

Bei allen Verlaufsformen der Multiple Sklerose können unterschiedlichste Symptome auftreten, die wiederum von Patient zu Patient variieren. Die folgenden Beschwerden treten jedoch typischerweise häufiger bei MS auf.

Sehstörungen und Multiple Sklerose

Ein Symptom der Multiple Sklerose ist die Sehbeeinträchtigung der Patienten, da die Nervenfasern des Sehnervs in ihrer Reizweiterleitung beeinträchtig werden. Durch die Sehstörungen kann es zu ganz unterschiedlichen Beschwerden kommen.4

Häufige durch MS bedingte Sehstörungen1, 4

  • Unscharfes Sehen
  • Störung des Farbensehen
  • Schmerzvolle Blickbewegungen
  • (zeitweise) Blindheit
  • Doppelbilder
  • Augenzittern (Nystagmus)

Sensibilitätsstörungen bei MS

Sensibilitätsstörungen sind bei Multiple Sklerose ein häufiges Symptom. Dieses kann bei den MS-Patienten als ein Kribbeln in den Gliedmaßen sowie in den Beinen und im Rumpf führen oder als Taubheitsgefühl auftreten.9

MS-bedingter Verlust der Muskelkraft

Bei vielen MS-Patienten tritt im Verlauf ihrer Erkrankung eine Muskelschwäche in den Armen oder Beinen auf.4 Durch sie kann es auch zu Lähmungserscheinungen kommen, die eine Muskelsteifheit (Spastik) hervorrufen kann. Die entstandene Spastik kann wiederum zu Schmerzen führen.1

Multiple Sklerose und Bewegungsstörungen

Unsichere Bewegungen (Ataxie) sowie Zittern (Tremor) sind weitere Symptome der Multiple Sklerose.1 Sie werden durch eine Beeinträchtigung der Nervenfasern in Teilen des Kleinhirns ausgelöst. Über das Kleinhirn laufen etwa 200 Millionen Nervenfasern, die für ganz unterschiedliche Funktionen des Körpers zuständig sind.4 Wenn diese Bereiche von MS betroffen sind, kann es zu Koordinationsproblemen oder einem unsicheren, schwankenden Gang (Gangataxie) kommen.4

Hektik, Überanstrengung oder Stress können bei Multipler Sklerose Bewegungsstörungen hervorrufen und damit Deinen Krankheits-Verlauf verschlimmern.1 Versuche daher, diese Dinge zu meiden. Gehe, wenn möglich, jederzeit achtsam mit Deinem Körper um. Wie Du das schaffst, erfährst Du hier. Auch eine Physio-Therapie kann helfen, die Beschwerden zu lindern.

Fatigue – die große Müdigkeit bei MS

Ein weiteres MS-Symptom, das bei vielen MS-Patienten auftritt, ist Fatigue, auch Erschöpfungssyndrom genannt. Multiple-Sklerose-Patienten, die daran leiden, kämpfen immer wieder mit Erschöpfungszuständen und starker Müdigkeit. Hervorgerufen werden die Beschwerden durch die immense Arbeit, die das Gehirn der Betroffenen leisten muss, um die Beschädigungen der Nervenfasern im Gehirn und Rückenmark zu kompensieren. Das kostet Kraft und Energie.4

MS und Probleme mit der Blase

Bei MS kommt es meist zu Blasenstörungen.1 Sie treten in ganz unterschiedlichen Formen bei den Betroffenen auf. So können sich ein ständiger Harndrang, aber auch „Starthemmungen“ oder das Problem, dass sich die Blase nicht mehr vollständig entleert, zeigen.1

MS-bedingte Schmerzen

Schmerzen können bei Menschen mit Multipler Sklerose auf ganz unterschiedliche Art und Weise durch ihre Erkrankung ausgelöst werden. So können sie einerseits als direkte Folge der MS-Erkrankung auftreten, etwa dann, wenn eine Entzündung beispielsweise der Sehnerven zu schmerzhaften Beschwerden führt.1 Sie können sich andererseits aber auch als indirekte Folge anderer Symptome zeigen, zum Beispiel dann, wenn eine Muskelsteifheit (Spastik) Gelenk- und Muskelschmerzen hervorruft. Eine Schmerz-Therapie kann Linderung verschaffen.

Sexualstörungen bei MS

Sexuelle Funktionsstörungen gehören ebenfalls zu den oft auftretenden Symptomen bei Multipler Sklerose. Sie werden in primäre, sekundäre und tertiäre sexuelle Funktionsstörungen unterteilt:

  • Primäre sexuelle Funktionsstörungen: Hier handelt es sich um Störungen, die mit einem Verlust an sexueller Energie einhergehen wie Missempfindungen im Genitalbereich, eingeschränkte Orgasmusfähigkeit und das Erreichen sowie Aufrechterhalten einer Erektion.
  • Sekundäre sexuelle Funktionsstörungen: Diese Störungen beziehen sich nicht auf die Nervenbahnen des Genitalsystems, haben aber eine deutliche Wirkung auf die Sexualfunktion. Blasen- und Darmprobleme, Tremor sowie Fatigue gehören beispielsweise dazu. 
  • Tertiäre sexuelle Funktionsstörungen: Hierbei geht es vor allem um ein verändertes Selbstwertgefühl, dass durch körperliche und emotionale Veränderungen bei MS-Patienten hervorgerufen wird. So können sich beispielsweise die Angst vor einer Behinderung oder die Sorge, nicht mehr sexuell attraktiv zu sein, negativ auf das Sexualleben auswirken.

Alles kann, nichts muss

Bitte bedenke, dass diese Auflistung nur die häufigsten MS-Symptome darstellt. Solltest Du eine dieser Beschwerden bei Dir selbst bemerken, bedeutet das nicht gleich, dass Du MS hast. Sprich mit Deinem Arzt. Er wird bei Dir eine Untersuchung durchführen und Dir sagen können, was Deine Beschwerden hervorruft und mit welcher Therapie man sie lindern kann. Heute gibt es viele Möglichkeiten, die Krankheit in den Griff zu bekommen und den MS-Verlauf positiv zu beeinflussen.

${open ? "Fußnoten ausblenden" : "Fußnoten einblenden"}