Mut tut gut

Portrait von Ulrike Weber, MS-Schwester des Jahres 2013 Aufgezeichnet von Susanne Plaßmann und Maximilian Dorner

 

Vor fünfzehn Jahren gab es noch keine MS-Schwestern. Da bedeutete es für Ulrike durchaus ein Wagnis, als eine der ersten ins kalte Wasser zu springen und sich auf die neue Herausforderung einzulassen. Aber ihr Mut wurde belohnt, denn der ganze Einsatz hat sich gelohnt. Nicht selten hat sie seitdem von „ihren“ Patienten zu hören bekommen: „Ich bin so froh, dass es sie gibt.“ Das gibt auch ihr wieder Kraft. Aber am meisten gefreut hat sie sich einmal über die Bemerkung einer langjährigen Patientin, die mit einem Lächeln in den Augen zu ihr sagte: „Sie sind meine Feuerwehr, und wenn’s brennt, ruf ich Sie an und Sie helfen mir, meinen Brand zu löschen.“

Aber löschen kann man nur, wenn man vorher die Feuerwehr gerufen hat. Manchem fordert sogar das Mut ab. Aber meistens lohnt es sich. Und irgendwann wird es dann sogar ganz selbstverständlich. Sie erlebt das bei ihren Nachbarn immer wieder. Das schätzt sie am Landleben so: dass man immer nach nebenan gehen kann, wenn man etwas braucht. Und diese Zuversicht wünscht sie ihre  Patienten auch!
Nur eines mag sie nicht: Verbote. „Das dürfen Sie nicht!“ – So einen Satz bekommt von ihr niemand zu hören. Denn sie unterdrücken eher den Mut, statt ihn zu befördern.

Sich der Krankheit stellen, bedeutet auch, mit dieser offen umzugehen. Den Rahmen müssen natürlich die Betroffenen selbst stecken.
Einmal hatte Ulrike eine Patientin, deren größte Sorge war, dass die Nachbarn etwas von ihrer Erkrankung mitbekommen. Selbst, dass Ulrike mit dem Auto kam, war ihr nicht recht. Auch das könnte Aufsehen erregen. Schließlich wurde sie an einem heißen Sommertag von der Patientin gebeten, doch zu kommen. Die Medikamente könnte man schließlich in einer Einkaufstüte verstauen, damit niemand etwas sieht. Doch irgendwann hat selbst diese Patienten sich ein Herz gefasst und Ulrike gegenüber geöffnet. Auch das setzt Mut voraus, und den wünscht sie allen Betroffenen.