Neuanfang

Ich komme gerade aus Bangkok.

Drei Tage war ich geschäftlich vor Ort. In meinem Beruf reise ich sehr viel. Als ich den Injektor zum ersten Mal im Handgepäck mitnahm, wurde ich prompt aus der Sicherheitskontrolle herausgeholt und musste die Injektor-Box gesondert prüfen lassen. Seitdem ist nie wieder etwas passiert. Die Tage in Bangkok habe ich körperlich gut weggesteckt, trotz 35° C und hoher Luftfeuchtigkeit. Gegensätzlich zu anderen Fällen fühle ich mich in der Sonne und Wärme besser und meine Symptome verschwinden eher als dass sie verstärkt auftreten.

Nichts desto trotz ist die Reiserei für den Job anstrengend. Dies ist auch einer der Gründe, weshalb ich wechseln wollte, neben dem eigentlichen Hintergrund, dass mein Partner mich mehr unterstützen könnte, wenn er wieder in seiner Heimat Frankreich wäre, wo er die Sprache spricht. In Deutschland habe ich vieles übernommen, was er mir in Paris abnehmen könnte.

Eine neue Stadt, eine neue Arbeit, ein Neuanfang sozusagen. Auf welchen ich mich mehr als freue!

Dennoch bringt es Fragen und Problematiken mit sich: Wie funktioniert das französische Krankenversicherungssystem? Kann mich eine Krankenversicherung auf Grund der Krankheit ablehnen? Was muss ich hinzuzahlen? Neben meinem alltäglichen Job, den ich noch bis Mitte Oktober ausführen werde, gilt es, all diese Fragen zu klären, mir Informationen zu beschaffen. Angefangen habe ich bei meinem MS-Medikament der Basistherapie. Dieses ist zurzeit nicht mit dem Injektor in Frankreich erhältlich, sondern nur als Einmalspritze. Hier muss ich mich also umstellen. Wie womöglich auch in vielen anderen Angelegenheiten. Die Priorität liegt heute erstmal auf der Wohnungssuche, die in Frankreich, insbesondere in Paris, im Vergleich zu Deutschland wesentlich komplizierter abläuft. Mein Partner ist gerade auf dem Weg, um sich verschiedene Wohnungen anzuschauen.

Sobald ich mehr weiß, berichte ich wieder. Drückt mir die Daumen!
Swantje

 

Über die Gastautorin:

Portrait SwantjeGeboren wurde ich 1986 in der Nähe von Köln. Während meiner Schulzeit jobbte ich in verschiedenen Modeläden und im Kino, bis ich eines Tages von einer Agentur auf der Straße entdeckt wurde, für die ich kurze Zeit später als Hostess bei der Formel 1 in Europa tätig war. Wir reisten nach Frankreich, Spanien, Italien… Ich fand Gefallen am Reisen und als ich 2006 mein Abitur hatte, beschloss ich als Stewardess zu arbeiten, um mehr von der Welt zu entdecken. Ein Jahr später begann ich eine Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau bei der Messegesellschaft und studierte an der Fernuni Hagen Kulturwissenschaften. Im Januar 2010 bekam ich die Chance nach Paris zu gehen, wo ich die Liebe meines Lebens kennenlernte – Francois. Nachdem mein Vertrag abgelaufen war, ging er mit mir nach Deutschland, aber wir beide vermissten Paris sehr. Also beschlossen wir, zurückzugehen.

Aber da kam uns die MS „in die Quere“. Meinen ersten heftigen Schub hatte ich im März 2013, kurz darauf folgte der zweite, der den Verdacht bestätigte. Die Symptome hatte ich schon zuvor, schob aber diese extreme Müdigkeit und das Kribbeln auf den Stress im Job. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, krank zu sein, MS war mir gänzlich unbekannt. Trotz der Diagnose entschlossen wir uns nach vielen Gesprächen im Juni 2013, einen gemeinsamen Neustart in Paris zu wagen. Zur Erleichterung für mich und meine Krankheit, da Francois mich in Frankreich viel mehr unterstützen kann als hier in Deutschland. Ich bewarb mich auf genau eine Stelle, für welche ich im Juli 2013 eine Zusage erhielt. Mein Partner hatte parallel auch eine Zusage für eine Stelle erhalten. Jetzt schreiben wir August 2013 und wir stecken mitten in den Planungen für unser neues Leben, mit MS, in Paris. Und genau von diesem Neuanfang berichte ich in meinen Blogbeiträgen.

Auf dem Foto bin ich übrigens mit meinem Hund Ares zu sehen, einem wichtigen und treuen Begleiter in meinem Leben. Auch von ihm werde ich immer wieder hier schreiben.