Neuer Ansatz im Kampf gegen Multiple Sklerose

Bonn (sr) – Forscher der Universität Bonn haben einen neuen, viel versprechenden Ansatz im Kampf gegen die Multiple Sklerose entdeckt. Zusammen mit Kollegen aus den USA und Belgien konnten sie einen Signalweg aufklären, der die Reparatur geschädigter Nervenzellen im Gehirn einleitet.

Nervenzellen kommunizieren über elektrische Signale, die sie über ihre Fortsätze an die Nachbarzellen weiter geben. Damit das funktioniert, müssen diese Fortsätze gegenüber ihrer Umgebung isoliert sein. Ist dies nicht der Fall, kommt es zu Kurzschlüssen, und die Signalweiterleitung wird unterbrochen. Die Fortsätze gesunder Nervenzellen sind daher von einer isolierenden Schicht aus Fett und Proteinen umgeben, dem Myelin. Bei einem MS-Schub verlieren die betroffenen Nervenzellen binnen kurzer Zeit ihre Isolierung. Die natürlichen, körpereigenen Reparaturmechanismen reichen dann nicht aus, diesen Verlust auszugleichen. Die Wissenschaftler haben nun einen Weg entdeckt, über den sich die geschädigten Hirnzellen eventuell reparieren lassen. Im Zentrum dieser Strategie stehen die so genannten Oligodendrocyten. Diese Hirnzellen produzieren eine Art körpereigenes „Isolierband“, dessen Produktion im Gehirn sich beschleunigen lässt. Im Mittelpunkt steht dabei ein Rezeptor mit dem Namen „GPR17“. Ist GPR17 aktiv, können die Oligodendrocyten nicht heranreifen. Sie können dann ihrer Funktion als zelluläre Isolierband-Spender nicht nachkommen. Blockiert man jedoch den GPR17-Rezeptor mit einem Hemmstoff – einer Substanz namens Pranlukast – kann man die Reifung der Oligodendrocyten ankurbeln. „Für Pharmazeuten ist Pranlukast kein unbeschriebenes Blatt“, sagt Professor Dr. Evi Kostenis vom Institut für Pharmazeutische Biologie der Universität Bonn. „Es wird als Medikament gegen allergische Erkrankungen eingesetzt.“ Zur Behandlung von MS ist Pranlukast dagegen nicht geeignet, da es nicht in ausreichenden Mengen ins Gehirn gelangt. Die Bonner Wissenschaftler suchen daher momentan nach Alternativen, die diesen Nachteil nicht haben. „Bis es soweit ist, werden sicher noch einige Jahre ins Land gehen“, dämpft Evi Kostenis hoch gesteckte Erwartungen. „Dennoch ist das ein Ansatz, von dem wir uns viel versprechen.“

Quelle: Pressemeldung der Rheinischen Friedrichs-Wilhelms-Universität Bonn, Informationsdienst Wissenschaft, www.idw-online.de