Neuer Ansatzpunkt für die MS-Therapie – das Immunproteasom

München/Konstanz (sr) – Um vom Immunsystem erkannt werden, muss körperfremdes Eiweiß, etwa von einem zuvor in eine Zelle eingedrungenen Virus, zerlegt und als sogenanntes  „Antigen“ an die Zelloberfläche transportiert werden. Dort kann es dann dem Immunsystem präsentiert werden. Bei Autoimmunerkrankungen wie der Multiplen Sklerose (MS) ist dieser Prozess gestört.Für die Zerlegung der Eiweißstoffe ist das Immunproteasom verantwortlich. Das Proteasom ist ein großer, zylinderförmiger Eiweißkomplex, der nicht mehr benötigte Eiweiße in kleinere Stücke zerlegt, so dass diese wieder verwertet werden können. Auf diese Weise reguliert das Proteasom Zellwachstum sowie Zellteilung und baut überflüssige oder defekte Proteine ab. Das Immunoproteasom ist eine spezialisierte Form des Proteasoms, die es nur in höheren Lebewesen wie den Säugern gibt und das sich vom sogenannten „konstitutiven“ Proteasom in seiner Struktur etwas unterscheidet.Bei Autoimmunerkrankungen wie der Multiplen Sklerose ist das Gleichgewicht zwischen den beiden Proteasomarten zugunsten des Immunproteasoms verschoben. Könnte man die Aktivität des Immunproteasoms hemmen und somit das Gleichgewicht wiederherstellen, wäre es möglich, die Autoimmunerkrankungen zu behandeln. Da die Struktur des Immunproteasoms bisher jedoch nicht bekannt war, konnte ein solcher maßgeschneiderter Hemmstoff noch nicht entwickelt werden.Nun gelang es Wissenschaftlern um den Chemiker Prof. Michael Groll von  der TU München in Zusammenarbeit mit dem Immunologen Prof.  Marcus Groettrup von der Uni Konstanz erstmals mit Hilfe der Röntgenstrukturanalyse den exakten atomaren Aufbau sowohl des Immunproteasoms als auch des konstitutiven Proteasoms der Maus zu bestimmen.Gleichzeitig konnten sie zeigen, dass die Substanz mit der Laborbezeichnung PR-957 ein in der Lage ist spezifisch das Immun- nicht aber das konstitutive Proteasom zu hemmen. „Wir konnten nun zum ersten Mal auf atomarer Ebene beobachten, wie und wo der Hemmstoff an beiden Proteasomtypen angreift und so erklären warum er nur das Immunoproteasom blockiert“, erklärt Groll. Die Forscher gehen nun davon aus, dass sie auf dieser Basis neue, spezifischere Hemmstoffe entwickeln können.Quelle: Technische Universität Münchern, Pressedienst Wissenschaft, Pressemitteilung vom 16.02.2012