Neuer Nachweis für Multiple Sklerose in Aussicht

Hannover/Bochum (sr) – Bei der Multiplen Sklerose (MS) kommt es zu einer gesteigerten Produktion bestimmter Eiweißstoffe (Immunglobuline), die sich im Nervenwasser anreichern und im Labor als sogenannte oligoklonale Banden nachgewiesen werden können. Beim Verdacht auf MS führen Ärzte deshalb eine so genannte Lumbalpunktion durch, bei der sie Nervenwasser aus dem Lendenwirbelbereich entnehmen.Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der Ruhr-Universität Bochum (RUB) haben nun eine neue Methode zum Nachweis von MS im Nervenwasser sowie zur Unterscheidung verschiedener Verlaufsformen dieser Erkrankung ausfindig gemacht. Die Ergebnisse ihrer Arbeit wurden jetzt in der Fachzeitschrift „Neurology“ veröffentlicht.Die Forscher analysierten dazu das Nervenwasser von 53 MS-Patienten sowie von 39 Patienten mit anderen neurologischen Erkrankungen. Sie konnten nachweisen, dass sich in dieser Flüssigkeit krankheitsspezifische kurze Ribonukleinsäureketten, sogenannte Micro-RNAs befinden. Das sind Moleküle, die die Entwicklung, Vermehrung und Funktion von Zellen steuern können. Diese Micro-RNAs zeigen an, ob die Erkrankung vorliegt oder nicht. Darüber hinaus ist anhand von verschiedenen Mustern, die diese Micro-RNAs bilden, erkennbar, welche Verlaufsform bei der Erkrankung vorliegt.„Unsere Erkenntnisse befinden sich im Anfangsstadium, werden aber möglicherweise helfen, die Erkrankung zu diagnostizieren und den Verlauf zu prognostizieren”, sagt Professor Dr. Thomas Thum von der MHH. „Wir hoffen, dass die Ergebnisse auch Einsichten in die Veränderungen der Erbinformationen sowie die Entstehung und Entwicklung der MS gewähren – und dass wir Faktoren finden, die beim Übergang von der schubförmigen zur sekundär-chronischen MS eine Rolle spielen”, ergänzt Dr. Aiden Haghikia, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neurologischen Klinik der Ruhr Universität Bochum.Quelle: Pressmitteilung der Medizinischen Hochschule Hannover vom 22.10.2012, Neurology über URL: http://idw-online.de/de/news50271, vor Druck veröffentlicht am 17. Oktober  2012, doi: 10.1212/WNL.0b013e3182759621