Neues Behandlungskonzept schützt Nervenzellen

Heidelberg (sr) – Das Hormon Erythropoietin, auch bekannt als EPO, kann bei einer Entzündung des Sehnervs – einem frühen Stadium der Multiplen Sklerose – das Absterben von Nervenzellen verhindern. Dies hat die Heidelberger Neurologin Professor Dr. Ricarda Diem im Rahmen einer Pilotstudie gezeigt.Häufig ist eine Entzündung des Sehnervs mit Schädigung der Netzhaut im Auge das erste Anzeichen einer MS. Die Betroffenen verspüren Schmerzen hinter dem Auge, innerhalb von Stunden oder Tagen verschlechtert sich das Sehvermögen bis fast zur Erblindung. Nach der Behandlung mit Cortison verschwinden diese Symptome in der Regel nahezu vollständig. „Bei zahlreichen Patienten bleibt es aber nicht bei einer Sehnerventzündung, nach Wochen oder Monaten gibt es einen weiteren Schub“, erklärt Professor Dr. Ricarda Diem, Oberärztin an der Abteilung Neuroonkologie der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg. „Jedes Mal schrumpft die Anzahl der Nervenzellen weiter, bis es schließlich zu einer dauerhaften Verschlechterung des Sehvermögens oder sogar zur Erblindung kommt.“ Das Wachstumshormon EPO kurbelt die Bildung der roten Blutkörperchen an und verbessert die Widerstandskraft von Nervenzellen gegenüber schädigenden Reizen. Eine Pilotstudie mit 40 MS-Patienten zeigte, dass bei Patienten, die zusätzlich zur Standardtherapie mit Cortison drei Tage lang EPO erhielten, deutlich weniger Nervenzellen abstarben als bei der Kontrollgruppe mit alleiniger Cortison-Behandlung. Nervenfasern in Netzhaut und Sehnerv degenerierten unter dem Einfluss von EPO kaum, optische Reize aus dem Auge wurden besser ans Gehirn weitergeleitet. Das neue Behandlungskonzept soll nun mit insgesamt 100 Patienten in einer groß angelegten Studie an den Universitätskliniken Heidelberg und Freiburg überprüft werden.Quelle: Pressemitteilung der Universitätsklinik Heidelberg vom 6.5.2013