Niedriger Behinderungsgrad auf der EDSS-Skala oft nicht ausreichend zur Beurteilung der Schwere einer Multiplen Sklerose

Lyon (sr) – Mit der „Extendend Disability Severity-Skala” (EDSS) misst man bei der Multiplen Sklerose (MS) den Grad der Behinderungsprogression. Liegt der Behinderungsgrad auf dieser Skala nach mehr als zehnjähriger Erkrankung unter 3, spricht man von einer gutartigen (bzw. benignen) MS.Dass ein niedriger Wert auf der EDSS-Skala nicht immer ausreichend ist, den Schweregrad einer MS zu beurteilen, zeigen die Ergebnisse einer Studie, die auf dem diesjährigen Kongress des „Komitees für die Behandlung und Erforschung der MS“ (ECTRIMS) in Lyon vorgestellt wurde.Die Forschergruppe um Dr. Mark Gudesblatt aus Patchogue NY, USA teilten dazu MS-Patienten mit einem EDSS-Wert von weniger als 3 in zwei Gruppen ein. Die erste Gruppe mit 130 Patienten war schon mehr als 10 Jahre an MS erkrankt, während bei den 204 Patienten der zweiten Gruppe die Krankheit erst seit fünf Jahren bestand. Zwischen beiden Gruppen verglichen wurden dann der Behinderungsgrad, das Ausmaß einer bestehenden Fatigue, kognitive Einschränkungen sowie die Arbeitsfähigkeit. Dabei zeigte sich, dass die Gruppe mit einer mindestens seit zehn Jahren bestehenden MS trotz eines als „gutartig“ eingestuften Verlaufs einen höheren Behinderungsgrad hatten als die Patienten, die kürzer erkrankt waren. Darüber hinaus litten sie häufiger an Fatigue und waren seltener berufstätig. Im Vergleich zu gesunden, gleichaltrigen Personen einer Kontrollgruppe waren bei beiden Patientengruppen außerdem kognitive Einschränkungen zu beobachten.Die Autoren folgern aus ihren Ergebnissen, dass die EDSS-Skala zur Erfassung der Behinderung bei einer gutartigen MS nicht ausreichend ist, da damit für das tägliche Leben und die Lebensqualität der Patienten wichtige Parameter wie Fatigue und geistige Leistungsfähigkeit nicht erfasst werden können.„Die MS dieser Patienten solle künftig nicht mehr als gutartig angesehen werden“, so die Schlussfolgerung von Dr. Gudesblatt. „Eine Testung der kognitiven Leistungsfähigkeit könnte hier Informationen liefern, die mit dem EDSS allein nicht zu bekommen sind.“Quelle: springermedizin.de, 28. ECTRIMS Kongress, Lyon, 10.-13.10.2012, Poster P888