Oligodendrozyten aus Nabelschnurblut

Orlando (sr) – Das Krankheitsbild der Multiple Sklerose wird u.a. hervorgerufen durch entzündliche Läsionen im Gehirn, die durch den Angriff des körpereigenen Immunsystems auf die Myelinscheiden der Nervenzellfortsätze  entstehen. Ein wichtiger Bestandteil dieser Myelinscheiden ist das Myelin-basische Protein, das von den Oligodendrozyten, einem zu den sogenannten Gliazellen des Gehirns gehörenden Zelltyp, synthetisiert wird. Da sich aus Stammzellen, den Vorläuferzellen aller menschlichen Körperzellen, solche Oligodendrozyten herstellen lassen, könnte die MS zukünftig möglicherweise mithilfe einer Stammzelltherapie geheilt werden. Bisher war eine Differenzierung von Stammzellen zu Oligodendrozyten allerdings nur unter Verwendung von embryonalen Stammzellen möglich. Dies ist eine Methode, die in den letzten Jahren nicht nur in Deutschland eine Reihe ethischer Fragen aufgeworfen hat.Forschern der Universität Orlando in Florida um Prof. James J. Hickman berichten nun in einem kürzlich in Chemical Neurosciences erschienenen Artikel, dass es ihnen gelungen sei, solche Oligodendrozyten aus Stammzellvorläuferzellen aus dem Nabelschnurblut herzustellen. Damit sei die Verwendung von embryonalen Stammzellen überflüssig geworden. Zwar seien noch weitere Studien notwendig, so Prof. Hickman in seiner Publikation abschließend, man habe jedoch die Hoffnung, dass diese Zellen künftig u.a. auch bei der MS-Behandlung eingesetzt werden können.Quelle: ACS Chem. Neurosci. 2012, 3, 31−39