Radiologisch isoliertes Syndrom (RIS) – Bedeutung und Umgang

Hamburg (sr) – Immer häufiger werden mit der Magnetresonanz-Tomographie im Gehirn von ansonsten symptomlosen Personen Schädigungen entdeckt, die auf eine entzündliche, demyelinisierende Erkrankung hindeuten. Man bezeichnet diese Befunde in der Neurologie heute als „Radiologisch isoliertes Syndrom“ (RIS), erläuterte Professor Heinz Wiendl von der Klinik für Neurologie der Universitätsklinik Münster auf einem Symposium des Unternehmens Merck Serono anlässlich des  diesjährigen Neurologenkongress in Hamburg. „Verschiedene Daten weisen darauf hin, dass das RIS ähnlich wie das klinisch isolierte Syndrom (KIS) als Vorläufer einer Multiplen Sklerose (MS) angesehen werden kann.“ So hätten laut den Ergebnissen einer französischen Beobachtungsstudie von 70 RIS-Patienten 23 (33 %) nach ca. 2 Jahren ein klinisch isoliertes Syndrom entwickelt. In einer türkisch-amerikanischen Studie seien  es nach 2,4 Jahren 36 % gewesen. Während beim KIS, der frühen Manifestation der MS, häufig neuropsychologische Beeinträchtigungen (z.B. bei der Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung oder dem Grad der Aufmerksamkeit) nachweisbar sind, liegen bei Patienten mit RIS zu dieser Frage noch keine aussagekräftigen Befunde vor. Auch komme für die Erklärung eines RIS eine Vielzahl von alternativen Diagnosen in Frage, gibt Professor Wiendl zu bedenken. Diese sollten unbedingt ausgeschlossen werden, um eine vorschnelle Diagnose oder einen entsprechend schlecht substantiierten Verdacht zu vermeiden. „Um einerseits gefährdete Patienten möglichst frühzeitig zu behandeln, andererseits aber eine Übertherapie zu verhindern, müssen Richtlinien für einen Algorithmus zur Verlaufskontrolle und für die Therapieentscheidung entwickelt werden“, so Professor Wiendls Fazit.Quelle: Multiple Sklerose – Herausforderungen der frühen Prognose, Diagnose und Therapie, DGN Satellitensymposium , Hamburg 28.09.2012