Rollf ist kontaktfreudig

Gemeinhin gilt die Auffassung, dass du neue Kontakte gut knüpfen kannst, wenn du am Vormittag eines beliebigen Sonnabends vorzugsweise im Supermarkt einkaufen gehst. Auch ein Hund, mit dem du Gassi gehen kannst, soll Wunder wirken.

Volle Supermärkte am Sonnabend? Nicht mein Ding!

Einen Hund besitze ich aus guten Gründen auch nicht.

Aber ich habe Rollf. Dass der neben seinen vielen bekannten Vorzügen auch noch Kontakte herstellen kann, ist eine relativ neue Erkenntnis für mich. Das liegt wohl unter anderem an seiner Ausstattung, vielleicht damit verbunden auch an der Technik-Affinität des überwiegenden Teils der männlichen Bevölkerung. Mit Beleuchtung und Regenschirm als Zubehör jedenfalls, dazu noch inklusive einer Fahrzeugführerin ganz knapp noch diesseits der 50, deren Mundwinkel in der Regel nicht nach unten zeigen, erregen wir Aufmerksamkeit. Irgendwie scheint diese Kombination hinlänglich ungewöhnlich.

Ich kann das daran festmachen, dass wir bei unserem Fortbewegen durch die dämmerige Innenstadt einige Blicke auf uns ziehen. Türen werden entgegen sonstiger Gepflogenheiten einmal mehr aufgehalten. Wenn zwei Herren vor einem abgesenkten Bordstein derart ins Gespräch vertieft sind,  dass sie ihn versperren, bemerken sie uns schließlich doch noch rechtzeitig und es wird ausgewichen. Und nicht nur das. Die Herren fragen, ob es SO geht, ob ich vorbei komme – und wünschen zusätzlich einen guten Abend.

Dann im Fahrstuhl, auf dem Weg zum Arzt: Da äußert doch einer, dass er das stark fände, so etwas noch nie gesehen habe – und meint, so verrät zumindest sein Blick, Rollfs Beleuchtung. Wenn die durch Knopfdruck aktiviert ist, schaltet Rollf bei heller Umgebung und/oder zweiminütigem Stillstand in den „Stand-By-Modus“. Dann leuchtet über jedem Vorderrad jeweils nur noch ein rotes Lämpchen. Gehe ich mit Rollf wieder in die Dunkelheit, schalten sich die weißen LED-Lämpchen automatisch wieder an. Meine eigene Faszination über diese Sensoren-Technik wird nun also zum wiederholten Male geteilt. Schon bin ich mit meinem Gegenüber im Kurzgespräch. Ich höre mich noch sagen: „Und das Beste ist, der weiß auch, wann es dunkel wird!“ Wir lachen beide und die Fahrstuhltür öffnet sich. Gut gelaunt gehe ich zu meinem Termin und sinniere:

Was brauche ich Supermarkt-Sonnabende oder Hund!? Ich habe Rollf! Langsam gewöhne ich mich an ihn. Und, wer weiß, was wir gemeinsam noch entdecken und wem wir noch begegnen werden…

 

Wer weiß, was passiert…!?