Schmerzsymptomatik bei Multipler Sklerose häufig unterschätzt

München (sr) – Schmerzen sind bei Multipler Sklerose (MS) häufig ein relevantes Problem. Trotzdem besteht bei der Versorgung von Schmerzsymptomen erheblicher Nachholbedarf, da Schmerzen bei der MS in der Praxis häufig nicht ausreichend wahrgenommen und therapiert werden. Darauf weist Dr. Achim Berthele von der Neurologischen Klinik der TU München, Klinikum Rechts der Isar, in einem kürzlich erschienen Artikel hin.So berichteten schon zum Zeitpunkt ihrer MS-Erstdiagnose etwa 20 % der Patienten von Schmerzen und etwa 50 % der MS Patienten litten zumindest einmal während ihres Krankheitsverlaufs unter Schmerzen, führt Berthele aus. Allerdings gebe es sowohl bei der Wahrnehmung als auch bei der Therapie noch erhebliche Defizite. So gaben in einer Studie 68 % der befragten MS-Patienten an, dass sich ihr Arzt nicht ausreichend um ihre Schmerzen kümmert. In einer weiteren Studie hätten 39 % der Patienten von Schmerzen berichtet, von denen weniger als die Hälfte eine adäquate Therapie erhalten hätten.Schmerzen bei MS können vielfältige Ursachen haben: Es können neuropathische Schmerzen auf Basis der Grunderkrankung sein, wie Entzündungsschmerzen oder Neuralgien. Ursache für muskuloskeletale Schmerzen sind häufig Spasmen. Schmerzen können aber auch als Nebenwirkung MS-Therapien auftreten.„Das Problem der Schmerzen bei der MS, besonders bei progredienten und langjährigen Verläufen, wird im klinischen Alltag unterschätzt und in der Forschung vernachlässigt“, so das Fazit von Berthele. Auch gebe es bisher noch keine großen kontrollierten Studien zur spezifischen Schmerztherapie bei MS-Patienten. „Insofern muss sich die medikamentöse Therapie dieser Krankheitsbilder zur Zeit bis auf wenige Ausnahmen an den allgemeinen Richtlinien zur Behandlung von neuropathischen, muskuloskeletalen Schmerzen oder Kopfschmerzen orientieren“, so Berthele abschließend.Quelle: A. Berthele, DNP – Der Neurologe & Psychiater 2012; 13 (3)