Schützen Östrogene vor MS?

Lyon (sr) – Die Gabe von östrogenhaltigen Verhütungsmitteln zusätzlich zu Interferonen könnte den Verlauf einer Multiplen Sklerose (MS) möglicherweise positiv beeinflussen. Dies zeigen Daten, die Dr. Carlo Pozzilli vom MS-Zentrum der Sapienza Universität, Rom, Italien, auf dem diesjährigen Kongress des „Komitees für die Behandlung und Erforschung der MS“ (ECTRIMS) in Lyon präsentierte.Es ist schon länger bekannt, dass Frauen mit MS in der Spätschwangerschaft seltener Krankheitsschübe entwickeln. Auch konnte gezeigt werden, dass bei nichtschwangeren Frauen mit schubförmiger MS, die mit Estriol behandelt wurden, die Anzahl der Hirnläsionen  im Magnetresonanz-Tomogramm reduziert war. Um die Wirkung östrogenhaltiger Verhütungsmittel auf den Krankheitsverlauf bei MS zu untersuchen, teilten die Forscher um Dr. Pozzilli insgesamt 150 Patientinnen mit schubförmiger MS in drei Gruppen ein. Die Patientinnen der ersten Gruppe erhielten 3-mal pro Woche 44 μg Interferon beta-1a subkutan, die Patientinnen der zweiten und dritten Gruppe bekamen zusätzlich zu Interferon ein hoch dosiertes bzw. ein niedrig dosiertes orales Kontrazeptivum. Insgesamt lief die Studie über 2 Jahre. Magnetresonanzaufnahmen wurden zu Studienbeginn und nach 48 und 92 Wochen angefertigt. Außerdem wurde alle drei Monate eine neurologische Untersuchung durchgeführt.Bei den Patientinnen der Hochdosis-Gruppe war nach zwei Jahren die Zahl neuer Läsionen um 65% niedriger als mit Interferon alleine. Auch die Zahl der „kombinierten einzelnen Läsionen“ ein Maß, das sowohl die Entzündungsaktivität als auch den Krankheitsfortschritt ausdrückt, war in der Gruppe mit der höheren Hormondosis geringer, nämlich um 26,5 %. Auch in der niedrig dosierten Gruppe wurde im Vergleich zur Gruppe, die nur Interferon erhielt, bei diesen Parametern eine Reduktion beobachtet. Der Unterschied war allerdings gering.„Im Vergleich zu Interferon alleine zeigt eine Kombinationstherapie von Interferon und Kontrazeptiva mit hochdosierten Östrogenen einen positiven Effekt hinsichtlich einer Reduktion der Krankheitsaktivität bei MS“, erläutert Dr. Pozzilli seine Ergebnisse. Allerdings sei die Rate der Therapieabbrüche in den Gruppen, die die Kontrazeptiva erhalten hatte, relativ hoch gewesen. Dies deute darauf hin, dass diese Präparate schlecht vertragen wurden, so Dr. Pozzilli weiter.Quelle: 28. ECTRIMS Kongress, Lyon, 10.-13.10.2012, Poster P171