Schützt ein Darmbakterium vor MS?

Helicobacter pylori, ein verbreitetes Darmbakterium, könnte das Risiko für das Entstehen einer Multiplen Sklerose verringern.

Obwohl mehr als 50 % der gesamten Menschheit mit dem Bakterium infiziert ist, führt es nur bei einem vergleichsweisen geringen Anteil davon zu einer manifesten Erkrankung, meist zu einer Gastritis. Aber auch für bis zu 90 % der Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre wird das Bakterium verantwortlich gemacht. Einige Forschungsergebnisse haben aber auch gezeigt, dass eine frühe Infektion mit Helicobacter in der Kindheit möglicherweise vor MS schützen könnte. Die entsprechenden Studien waren aber mit nur wenigen Patienten durchgeführt worden und ihre Ergebnisse teilweise widersprüchlich. Um diese Frage zu klären, verglich Professor Allan Kermode und Dr. Marzena Fabis Pedrini vom Westaustralischen Forschungsinstitut für Neurowissenschaften in einer größeren Studie das Auftreten von Helicobacter im Magen-/Darmsystem von 550 MS-Patienten mit dem Auftreten des Bakteriums bei 299 gesunden Kontrollpersonen. Es zeigte sich dabei, dass Frauen ohne MS wesentlich häufiger mit Helicobacter infiziert waren als Frauen mit MS. Interessanterweise konnte der Effekt bei Männern nicht nachgewiesen werden. „Anscheinend überführt das Bakterium das Immunsystem in ein weniger entzündungsförderndes Stadium und verringert dadurch das Risiko für eine MS“, so die Forscher. „Unsere Ergebnisse unterstützen die sogenannte Hygiene-Hypothese, die besagt, dass der Kontakt mit bestimmten Pathogenen (krankmachenden Keimen) in der Kindheit das Immunsystem trainiert, sodass die Betroffenen später weniger anfällig für Allergien und Immunkrankheiten sind. Wir können allerdings noch nicht erklären, warum der Effekt bei Männern nicht auftritt“, so die Forscher in ihrem Fazit.

Quelle: Medical News Today vom 20. Januar 2015