Schützt Melatonin vor MS?

PHILADELPHIA (sr) – Das Hormon Melatonin könnte nach den Ergebnissen einer Arbeitsgruppe um Dr. Mauricio Farez vom Raul Carrea Institut für Neurologische Forschung in Buenos Aires eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Multiplen Sklerose (MS) spielen.

Melatonin ist ein Hormon, das unser Körper selbst herstellt und über die Zirbeldrüse im menschlichen Gehirn bei Dunkelheit ausschüttet. Licht dagegen hemmt die Produktion des Botenstoffs. Wissenschaftler vermuten daher, dass Melatonin unserer inneren Uhr den Takt angibt, nach dem sie zu arbeiten hat, und so unter anderem auch den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert. Auf Grund der unterschiedlichen Lichtverhältnisse während der Jahreszeiten ergibt sich aber auch neben der täglichen „circadianen“ Rhythmik eine jährliche Rhythmik. Im Winter wird das Melatonin über einen längeren Zeitraum produziert und ins Blut abgegeben als im Sommer.

In seinem Vortrag anlässlich des diesjährigen Jahreskongresses der Amerikanischen Neurologischen Gesellschaft wies Dr. Farez darauf hin, dass MS-Schübe ebenfalls saisonal unterschiedlich gehäuft auftreten mit einem Gipfel im Frühjahr und niedrigster Häufigkeit im Herbst und Winter. Dr. Farez und seine Kollegen untersuchten deshalb im Rahmen einer klinischen Studie, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Melatoninspiegel und dem Auftreten von Schüben bei MS-Patienten gibt. Bei 119 Patienten mit MS wurde während des Studienzeitraums die Anzahl der Schübe dokumentiert. Daneben wurden während eines Jahres alle drei Monate die Melatonin-Blutspiegel bestimmt. Dabei zeigte sich, dass es einen jahreszeitenabhängigen umgekehrten Zusammenhang zwischen der Schubrate und den Melatoninspiegeln gibt. Höhere Melatoninspiegel im Herbst und Winter korrelierten bei den Patienten mit einer geringeren Krankheitsaktivität. „In einem Maus-Modell für MS, der sogenannten experimentellen Autoimmun-Enzephalitis (EAE), haben wir weiterhin untersucht, ob eine Melatoninbehandlung den klinischen Verlauf der Krankheit möglicherweise verbessern kann“, so Dr. Farez in seinem Vortrag. „Es zeigte sich dabei, dass das Hormon Häufigkeit und Schwere der EAE verbesserte“. Melatonin ist somit ein potentieller Umweltfaktor, der sowohl bei der Entstehung der MS als auch bei deren saisonalen Verlauf eine wichtige Rolle zu spielen scheint, so die Forscher in ihrer Schlussfolgerung.

Quelle: AAN 2014, Philadelphia, Vortrag am 30. April 2014 und Farez M et al. „Neurology” 8. April 2014 Band 82 Nr. 10, Supplement S24.002