Schützt Schwangerschaft vor MS?

Melbourne (sr) – Noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde Frauen mit Multipler Sklerose (MS) geraten, auf Schwangerschaften zu verzichten oder soweit sie schwanger waren, eine „therapeutische Abtreibung“ vornehmen zu lassen. Heute weiß man, dass eine Schwangerschaft – zumindest im zweiten und dritten Trimenon – die Schubrate verringert. Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass eine Schwangerschaft den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen kann.Der Frage, ob eine Schwangerschaft möglicherweise auch das Risiko für die Entwicklung einer MS verringert, gingen nun Dr. Anne-Louise Ponsonby und Kollegen vom Murdoch Forschungsinstitut in Melbourne nach. In der Zeitschrift Neurology berichten sie über die Ergebnisse einer Studie mit 282 Patienten mit einem erhöhtes Risiko, an MS zu erkranken. Als Hinweis dafür galt das Auftreten eines ersten demyelinisierenden Ereignisses. Als Kontrollpersonen dienten 542 Personen gleichen Alters und Geschlechts aus der gleichen Region. Dabei fanden sie heraus, dass bei Frauen das Risiko ein erstes demyelinisierendes Ereignis zu erleiden im umgekehrten Verhältnis zur Zahl der Schwangerschaften steht. So wird das Risiko eine MS zu entwickeln bereits durch eine einzige Schwangerschaft halbiert. Bei mindestens drei Schwangerschaften sinkt das Risiko auf 25%, bei 5 und mehr Schwangerschaften sogar auf 5 % des Risikos von Frauen ohne Schwangerschaft.Gründe für die protektive Wirkung sind nach Meinung der Wissenschaftler möglicherweise die mit einer Schwangerschaft verbundenen hormonellen Veränderungen.Quelle: A.-L. Ponsonby et al., Neurology 20. März 2012, 78:867-874, A. Daumer et al., Neurology 20. März 2012, 78:846-848