Selektive Auslösung einer Immunreaktion durch Interferon beta

Melbourne (sr) – Interferone spielen bei viralen und bakteriellen Infekten eine wichtige Rolle im menschlichen Abwehrsystem. Sie aktivieren Immunzellen, stören bei Virusinfektionen die Vermehrung der Viren und können bei Infektionen die Belastbarkeit der betroffenen Zellen erhöhen. Es existieren etwa 20 Untergruppen von Interferonen, die in verschiedenen Stadien der Immunantwort produziert werden. Wie die Interferonproduktion ausgelöst wird und welche Funktionen die unterschiedlichen Subtypen haben, ist bisher nur zum Teil bekannt. Ein Forscherteam um Professor Paul Hertzog vom Institut Medizinische Forschung und Professor Jamie Rossjohn vom Institut für Biomedizin der Monash Universität in Australien konnte nun erstmals charakterisieren, wie Interferon beta an Zellen bindet und eine Immunreaktion auslöst. Bisher nahm man an, dass alle Interferone, um ihre Wirkung entfalten zu können, an der Zelloberfläche an einen aus zwei Eiweißstoffen mit der Bezeichnung IFNAR1 und IFNAR2 bestehenden Molekülkomplex gebunden werden. In ihren Untersuchungen konnten die australischen Forscher nun nachweisen, dass Interferon beta, ausschließlich und spezifisch nur an das IFNAR1 Molekül andockt. Gleichzeitig konnten sie zeigen, dass bestimmte Interferonwirkungen nur über IFNAR1 und nicht über IFNAR2 vermittelt werden. Dies bedeute, dass es möglich wird, Interferone künftig sehr viel selektiver einzusetzen als bisher, so Dr. Nicole de Weerd, die Hauptautorin der kürzlich in der Fachzeitschrift „Nature Immunology“ erschienenen Studie.„Eine Interferontherapie ist wichtig für die Behandlung einer ganzen Reihe von Krankheiten wie beispielsweise die Multiple Sklerose. Allerdings ist die Therapie mit dosislimitierenden Nebenwirkungen verbunden. Auch können Interferone Autoimmunerkrankungen verschlechtern“, ergänzt Professor Hertzog. „Aufgrund des besseren Verständnisses der Interferonfunktion können wir nun versuchen, maßgeschneiderte Ansätze zur Verbesserung der Wirksamkeit von Interferonen zu entwickeln.Quelle: Medical News Today 23. Juli 2013, Nat Immunol. 2013, 21. Juli  doi: 10.1038/ni.2667, online erschienen vor Druck.