Störungen des Erdmagnetfeldes: Eine Ursache der MS?

Golestan (sr) – Nach wie vor sind die Ursachen der Multiplen Sklerose weitgehend unklar. Auch wenn aufgrund einer genetischen Disposition die Fehlsteuerung des Immunsystems eine große Rolle zu spielen scheint, wird in letzter Zeit auch vermehrt der Einfluss von Umweltfaktoren auf die MS-Entstehung diskutiert. Auch geographische Einflüsse könnten eine Rolle spielen. So ist schon länger bekannt, dass die Häufigkeit der MS mit zunehmender Entfernung vom Äquator zunimmt. Eine neue Hypothese haben nun Dr. Seyed Aidin Sajedi und Dr. Fahimeh Abdollahi von der Abteilung für Innere Medizin der Universitätsklinik Golestan (Iran) in der Fachzeitschrift „BMC Neurology“ vorgestellt. Sie vermuten, dass Störungen des geomagnetischen Feldes der Erde, wie sie zum Beispiel durch Sonnenstürme zustande kommen, ein wichtiger Umweltfaktor mit Einfluss auf die MS-Entstehung sein könnte. „Die Regionen, die solchen Störungen des geomagnetischen Feldes ausgesetzt sind, liegen alle im Bereich des 60. geomagnetischen Breitengrades“, erklärt Dr. Sayedi. „Der einfachste Weg unsere Hypothese zu belegen war es, die MS-Häufigkeiten verschiedener Regionen mit deren Entfernung zum 60. geomagnetischen Breitengrad abzugleichen und zu analysieren, ob es einen Zusammenhang gibt.“ Dabei legten die Forscher ihren Berechnungen die MS-Häufigkeiten von insgesamt 111 Regionen in Europa, Nord-Amerika und Australien zu Grunde. Als Kontrolle dienten ihnen die entsprechenden Abhängigkeiten der MS-Häufigkeit von der geographischen Breite sowie von der Entfernung zum 60. geographischen Breitengrad. Dabei zeigte sich, dass in allen untersuchten Regionen zwischen MS-Häufigkeit und der Entfernung zum 60. geomagnetischen Breitengrad der stärkste Zusammenhang bestand. Die Korrelation war sogar stärker als zwischen MS-Häufigkeit und geographischer Breite. Die schlechteste Korrelation bestand zwischen MS-Häufigkeit und Entfernung zum 60. geographischen Breitengrad. „Unsere Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Störungen des geomagnetischen Feldes der Erde einer der Umweltfaktoren sein könnte, der für die Entstehung der MS verantwortlich sein könnte“, so die beiden Forscher in ihrem Fazit. „Unsere Hypothese sollte auf jeden Fall weiter verfolgt werden.“Quelle: BMC Neurology 2012, 12:100