Synacthen-Therapie könnte zu einem Durchbruch in der MS beitragen

San Diego (sr) – Cortison ist ein körpereigenes Hormon, das im Organismus vielfältige Aufgaben zu erfüllen hat.  Unter anderem hat es auch eine eine entzündungshemmende Wirkung. Cortisonhaltige Arzneimittel wie das Methylprednisolon werden deshalb heute bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) häufig bei der Behandlung des akuten Schubs eingesetzt, wo sie zu einer Abschwächung des Schubes beitragen. Vor der Verfügbarkeit dieser Arzneimittel wurden Patienten mit Multipler Sklerose häufig mit ACTH (adreno–corticotropes Hormon) behandelt. ACTH stimuliert die körpereigene Kortison-Produktion. Dabei zeigte sich, dass es durch die ACTH-Gabe während eines Schubes zu einer merklichen Besserung kam. Für rund 25 Jahre wurde die ACTH–Behandlung (sogenannte Synacthen-Kur) bei MS-Schüben zur Standardtherapie. In einer Studie mit 23 MS-Patienten haben nun US-Neurologen um Dr. Regina Berkovich von der Universität in Los Angeles geprüft, ob das Hormon bei Patienten mit einer sogenannten „Durchbruch-MS“ hilft. Bei dieser Art der MS kommt es trotz einer immunmodulatorischen Behandlung immer wieder zu Schüben. Im Rahmen der Studie erhielten elf der Patienten ein Gramm Methylprednisolon intravenös einmal pro Monat, zwölf erhielten 80 Einheiten ACTH intramuskulär an drei aufeinander folgenden Tagen – ebenfalls einmal pro Monat. Die Behandlung dauerte insgesamt 15 Monate. In dieser Zeit kam es in der Gruppe mit ACTH nur zu einem Schub, mit Methylprednisolon dagegen zu neun Schüben. In der ACTH-Gruppe wurden außerdem seltener psychische Störungen und Blasenentzündungen beobachtet. „Wegen der geringen Patientenzahl sind die Ergebnisse noch mit Vorsicht zu interpretieren“, erklärt Dr. Berkovich, die ihre Studienergebnisse beim Kongress der amerikanischen neurologischen Gesellschaft AAN in San Diego vorgestellt hat. „Die ACTH-Therapie kann aber für die Durchbruch-MS eine interessante Option sein, zumal es hier bisher nur wenige geeignete Therapiestrategien gibt.“Quelle: R Berkovich et al. AAN San Diego 16. – 23.03.2013, P04.269