Über Aggressionen

Diesmal in eigener Sache. Heute möchte ich über ein Thema schreiben, das stark mit Scham besetzt ist. Schon deshalb werde ich wohl nie ein Bitte von Fremden bekommen, darüber zu schreiben. Also bitte ich mich heute selbst: über Aggressionen zu meditieren. md

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Hin und wieder am Morgen, heute beispielsweise, werde ich beim Duschen und Anziehen mehr als ärgerlich, sogar richtiggehend zornig: Was fällt diesen Beinen ein, sich mit aller Macht auszustrecken, obwohl genau das Gegenteil von ihnen erwartet wird? Was soll dieses Gezitter? Warum sind Hosenbeine grundsätzlich verdreht? Das geht doch nicht mit rechten Dingen zu, dass ich da regelmäßig feststecke. Bin ich dann auch noch unbefrühstückt, kann der Zorn leicht in laute Flüche umschlagen. Und wenn die Laune ganz besonders schlecht ist, oder die der Beine, kann es sein, dass mir die Hand ausrutscht und ich auf die Oberschenkel schlage. Meine eigenen. Das ist natürlich so grotesk, dass es mich regelmäßig aus meinem Zorn herausreißt. Manchmal muss ich in diesem Augenblick lachen, noch öfter spricht die Stimme des Buddhismus zu mir: Übe Nachsicht, sei langmütig, höre in dich oder auf deine Beine, wollen sie dir vielleicht etwas sagen? – Meine Wut ändert daraufhin sofort die Richtung und wirft sich mit voller Wucht auf alle Erleuchteten dieser Welt. Innerlich rufe ich ihnen zu: Euch möchte ich einmal nach drei Jahren mit diesen renitenten Beinen sehen! Da würde mich doch interessieren, ob ihr dann immer noch erleuchtet seid …

Und dafür, wie es mir geht, schrei ich noch verhältnismäßig wenig rum. Oder anders gesagt: Andere schreien mehr, obwohl es ihnen gar nicht so schlecht geht. Was ist beim Schreien also der Vergleichsmaßstab?

Jetzt, gesättigt und angezogen, denke ich: Vielleicht muss ich eher Langmut mit meinem Zorn entwickeln, ihn kommen und gehen lassen, statt ihn wegzudrücken. – Schwierig wird es mit Aggressionen ja immer dann, wenn diese andere treffen.

Ich könnte auch mal eine Schreitherapie beginnen. Oder endlich wieder Gesangsstunden nehmen. In der Hoffnung, dass meine Nachbarn den Unterschied zu den Zornesausbrüchen auch wahrnehmen …

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Die nächste Meditation von Maximilian Dorner erscheint am 16. Mai. Wenn Sie einen Themenvorschlag oder eine Frage haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an: bloghaus@maxdorner.de