Über Gott

“Krank wird man immer – mit Gott oder ohne Gott – ich werde lieber mit Gott krank”… der Satz tauchte mal in einem YouTube-Beitrag auf. Roland – P.S.: Ich bin übrigens nicht gläubig, schon gar kein Freund der katholischen Kirche, aber engagiert evangelisch aufgewachsen … Ich fand den Satz einfach recht interessant.

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Manche Sätze kann man sich gar nicht oft genug vorsagen – oder anderen damit auf die Nerven gehen. Der für mich wichtigste bleibt der aus Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“, und lautet ungefähr: Ohne Hilfskonstruktionen geht es nicht. – Aus atheistischer Sicht ist auch Gott so eine Hilfskonstruktion. Nur dass eingefleischte Atheisten ohne überlegen hinzufügen würden: Und ohne ihn geht es ganz prima.

Aber braucht man nicht, um die Fassade eines Hauses zu streichen, die Fenster auszutauschen oder das Dach neu zu decken, ein Gerüst? Sind diese bei Baustellen nicht sogar elementar? Sprich, gibt es nicht genug Situationen im Leben, in denen die Idee eines Gottes einfach eine Hilfe, eine Stütze ist? Oder die ohne Gerüst vielleicht sogar gar nicht bewältigt werden können? Diese Fragen muss jeder Mensch für sich selbst beantworten. Ob krank oder gesund. Nein, er muss in unseren Zeiten nicht einmal, er kann – oder er lässt es bleiben. Die größere Herausforderung besteht eher darin, dass die Antworten des einen Tages schon am nächsten Tag ungültig werden können. Am einen Tag kann man fester glauben als jeder Papst und am nächsten zweifeln und am Zweifel sogar verzweifeln.

Am Karfreitag war ich in der Münchner Philharmonie und habe mir Bachs „Matthäus-Passion“ angehört. Es ist schon berührend, die ganze Geschichte am Stück und in konzentrierter Stimmung erzählt zu bekommen. Mit dieser Musik, die auch nach einigen Jahrhunderten direkt unter die Haut geht. Hat man sie gehört, sollten sich eigentlich weniger die Menschen über einen unsichtbaren Gott beklagen, als dieser über das Verhalten der Menschen. Alle lassen sie Jesus im Stich, die Jünger fliehen, das Volk verlangt seine Kreuzigung und der feige Pilatus stimmt dem schließlich zu, obwohl er schon ahnt, damit einen Fehler zu begehen. Die Menschheit stellt sich hier kein gutes Zeugnis aus. Ob es Gott nun gibt oder nicht.

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Die nächste Meditation von Maximilian Dorner erscheint am 18. April. Wenn Sie einen Themenvorschlag oder eine Frage haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an: bloghaus@maxdorner.de