Über Hoffnung

Für mich stellt sich immer mehr die Frage, woher man die Hoffnung nimmt oder woher die Hoffnung kommt, gerade wenn es heißt: hoffnungslos, unheilbar. N.

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Die Frage, woher die Hoffnung stammt, ist ja eine der Grundfragen der Menschen. Warum stehen Millionen, ja Milliarden trotz teilweise widrigster Umstände jeden Tag auf, waschen sich, ziehen sich an, ernähren sich – viele mehr schlecht als recht, noch mehr von ihnen: unzureichend, in Ermangelung von Essbarem – arbeiten den ganzen Tag, um an dessen Ende erschöpft wieder einzuschlafen. Woher kommt die Hoffnung also?

Vielleicht aus der Erfahrung, dass morgen alles anders sein könnte, und wenn nicht alles, so vielleicht wenigsten ein bisschen etwas. Und gleichzeitig gilt, wie es in einem wunderbaren Lied von Richard Strauss heißt: „Morgen wird die Sonne wieder scheinen.“ Diese Gewissheit allein ist tröstlich. Vielleicht liegt es auch daran, dass bei aller Gleichförmigkeit des Alltags und des Leids doch jeder Tag, ja jeder Augenblick ein kleines bisschen anders ist als der vorangegangene.

Und wir schöpfen Hoffnung aus der Tatsache, dass wir die Zukunft eben nicht kennen, weder wissen, welches Leid noch welche Freude sie uns bereiten wird, dass eben so viel, alles möglich ist, im Unmöglichen. Und dass in dieser Welt Wunder stattfinden können, ob man nun an ein bestimmtes glaubt oder nicht. Ob man nun glaubt, dass Gott es vollbracht hat oder der Zufall. Hin und wieder blitzt etwas wie Sinn auf, eine tiefere Bedeutung, trotz allem. Es macht dann keinen Unterschied, ob wir ihn uns „nur“ einbilden, oder ob er „wirklich“ da ist. Allein, dass es die Hoffnung gibt, beweist, dass sie existiert, jeden Tag wieder. Sie ist da, genauso wie die Hoffnungslosigkeit und die Unheilbarkeit, das eine gäbe s nicht ohne das andere.

Jetzt bin ich doch unversehens und unbeabsichtig ins Predigen geraten. Aber lässt sich über Hoffnung anders überhaupt sprechen als im Tonfall der Gewissheit? – Und was wäre dabei, wenn ich mir nur selbst etwas vorsäusle? Nichts, das ist ja das Schöne an ihr. Die Hoffnung braucht keine Rechtfertigung, Hauptsache sie ist da.

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Die nächste Meditation von Maximilian Dorner erscheint am 2. Mai. Wenn Sie einen Themenvorschlag oder eine Frage haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an: bloghaus@maxdorner.de