Über Schneehaufen

Ich hasse Schnee. Aber wenigstens fällt man nicht so hart, wenn man ein bisschen zittrig ist. Wie geht es Ihnen damit? Ute

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Es wurden ja schon so viele Witze über die Klimaerwärmung gemacht, dass man eigentlich keinen mehr beisteuern sollte. Eigentlich. Aber manchmal reicht es ja völlig aus, eine Andeutung zu machen … und alle mit Gehstock, Krücken, Rollator oder Rollstuhl wissen sofort, was ich mir von der Erderwärmung wünsche.

Beim letzten Wintereinbruch, vor den sommerlichen Temperaturen um Weihnachten, wurde mir wieder vor Augen geführt, was ich ein gutes halbes Jahr verdrängt hatte: Sobald mehr als ein paar Zentimeter Schnee liegen, geht mit Rollstuhl gar nichts mehr. Da kann man noch so viele Liegestützen gemacht und Hanteln gestemmt haben. Die Räder drehen durch oder bleiben einfach stecken. Es half alles nichts, für jede Ausfahrt musste ich mir einen Schieber oder eine Schiebende organisieren. Mein schlechtes Gewissen, dass ich selbst für eine Fahrt von wenigen hundert Metern jemand durch die halte Stadt habe kommen lassen, wurde regelmäßig weggewischt. Das wäre doch kein Problem. – Wahrscheinlich war es für meine Helfer wirklich keine besondere Herausforderung. Nicht selten geht es mir so, dass ich meine Schwierigkeiten hochrechne und auf andere übertrage. Anscheinend hat sich mein Maßstab für Anstrengungen vollkommen deformiert.

Genau das hat sich wenige Meter weiter auf ganz andere Weise bestätigt. Obwohl ich den Schneehaufen schon auf uns zukommen gesehen hatte, steuerten wir zielstrebig hinein. Beim ersten Mal habe ich noch nichts gesagt, bei zweiten Mal mich gewundert und beim dritten Mal eine vorsichtige Andeutung gemacht. Dem Schieber war es peinlich. Bis wir das vierte Mal feststeckten … Auch bei meiner nächsten Ausfahrt, mit einem anderen Motor, blieben wir regelmäßig hängen. Bis ich irgendwann begriff, dass normal gehende Menschen eher selten auf den Boden schauen, während ich es gewöhnt bin, ununterbrochen den Weg vor mir zu sondieren, ob da irgendwelche Kanten oder Löcher oder Gullideckel oder Erhebungen sind, die es zu umfahren gilt. Meine Maßstäbe sind eben doch auch hier ganz andere. Diesmal zu meinem Vorteil.

Die nächste Meditation von Maximilian Dorner erscheint am 24. Januar. Wenn Sie einen Themenvorschlag oder eine Frage haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an: bloghaus@maxdorner.de