Über Sex II

Vor ein paar Wochen habe ich hier eine Kolumne zum Thema Sex geschrieben. Und was passiert? Rückmeldungen kamen ausschließlich von Männern. War ich zu forsch? Zu aufdringlich? – Hier der Nachschlag

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Schon beim Nachdenken und Schreiben der Kolumne über Sex ist mir klar geworden, dass das Thema – zumindest für mich – eines der größten schwarzen Löcher meiner Existenz ist. Wie leicht kann man darin aufgesaugt werden und jedes Gefühl für unten und oben verlieren! Dann habe ich, zur Beruhigung, ein wenig weiter herumgedacht und mich gefragt, was ich diesbezüglich von meinen gesunden Freunden, vornehmlich Freundinnen, so weiß. Das Ergebnis war genauso banal wie beruhigend: Ihnen scheint es auch ohne Empfindungsstörungen, Lähmung und Spastiken nicht einfacher damit zu gehen. Mit dem Sex beginnt die Stunde der Wahrheit. Man kann sich nicht mehr verstecken, weder hinter seinen körperlichen noch hinter seinen seelischen Behinderungen. Das heißt aber doch in der Konsequenz auch, dass Sex und Körperlichkeit der beste Anknüpfungspunkt für ein gemeinsames Gespräch wäre. Vielleicht sogar, um sich gegenseitig zu verstehen. Frauen und Männer, chronisch Kranke und chronisch Gesunde. Aber es klappt ja noch nicht einmal das ohne Stolperer.

Bleibt noch die Frage, ob es wirklich geschlechtsspezifisch ist, dass sich mehr Männer von meiner Kolumne angesprochen gefühlt haben, aber eigentlich mehr die Frauen gemeint waren. Vielleicht passt das ja zum selben Gedankengang. Weil schon der Sex über die Geschlechtsgrenzen hinweg Schwierigkeiten bereitet, ist notwendigerweise auch das Reden darüber schwierig.

Und was heißt das jetzt alles ganz praktisch? Ich weiß es nicht. Ganz schlicht und einfach. Ich weiß, woher ich komme, aber nicht wohin der Weg gehen wird. Aber auch in diesem Dunkel bleibt die Hoffnung, dass gerade dieses Nicht-Wissen der beste Ausgangspunkt ist, verblüffend neue Erfahrungen zu machen. Und wenn hier jetzt nicht mindestens eine Frau einen Kommentar hinterlässt, schreibe ich solange über dieses Thema, bis – nicht einmal mehr die Männer es lesen.

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Die nächste Meditation von Maximilian Dorner erscheint am 21. März. Wenn Sie einen Themenvorschlag oder eine Frage haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an: bloghaus@maxdorner.de