Über Sex

Sex: Darf man als Behinderter überhaupt über dieses Thema reden? Was heißt denn Sex jetzt für mich? Wie weit darf ich gehen mit meinen Wünschen? – Es ändert sich sehr viel  in meinem Leben, vieles schneller als mir lieb ist.  Moni

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Alle paar Wochen findet man im Netz einen neuen Bericht über einen Schwerst-Behinderten, der sein Recht auf Sex einfordert. Oder ein Portrait über die dazu passende Dame aus dem leichteren Gewerbe, die sich auf die besonderen Bedürfnisse von Behinderten spezialisiert hat. Bezeichnenderweise ist die Geschlechterverteilung nie andersherum: Immer ist die Prostituierte weiblich und der eingeschränkte Freier männlich. Als ob es keine behinderten Frauen mit Sexgelüsten gäbe. (Schwule, lesbische oder gar transsexuelle Behinderte natürlich erst recht nicht.) Und Phantasien, die über einen Erotikfilm der 70er hinausgehen würden, sind natürlich tabu. Natürlich? – Die einschlägigen Broschüren von Verbänden, Pharmafirmen und Krankenkassen sind so reinlich und kirchentagsfromm, dass einem alle Lust vergeht. Fast als müsste bei den Themen Krankheit und Sex und Behinderung sofort die Freiwillige Selbstkontrolle einschreiten.

Deswegen spiele ich seit Jahren mit dem Gedanken, mit einem Hardcore-Behinderten-Filmchen ins Pornogewerbe einzusteigen (je nach Laune als Hauptdarsteller, Produzent, Casting-Chef oder Regisseur). Meistens reicht mir zur Belustigung schon die Vorstellung der fassungslosen Blicke, wenn ich jemandem aus dem Rollstuhl heraus meine Visitenkarte zustecken würde … Hallo, mein Name ist Strammer-Hammer-Max …

Meiner Meinung nach sollte man als Mensch mit Behinderung mindestens so viel und so laut und aso geschmacklos über Sex reden wie eine alkoholisierte Stammtischrunde. Aber selbst das ändert nichts an der Tatsache, dass dieses Thema eins der Schwierigsten in meinem Leben bleibt. Weil man sich nicht nur mit den eigenen Ängsten, Selbstwertgefühlen herumschlägt, sondern auch noch mit denen einer anderen Person. Kompliziert hoch zehn – und das ist bekanntlich nicht so stimulierend.

Das einzig Erfreuliche an der Geschichte: Wenn es dann mal zur Sache geht, spielt die Behinderung letztlich keine Rolle mehr. Da ist Sex dann genauso verschwitzt und verstöhnt wie immer. – Aber bis dahin ist es ein verdammt steiniger Weg.

Die nächste Meditation von Maximilian Dorner erscheint am 21. Februar. Wenn Sie einen Themenvorschlag oder eine Frage haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an: bloghaus@maxdorner.de