Über Sicherheitsbedenken

Des Winters überdrüssig will der Kolumnist Maximilian Dorner nach Israel reisen. Am Tag vor dem Abflug sagt seine Begleitung krankheitsbedingt ab. Was tun? – Daheimbleiben kommt für Dorner nicht in Frage, also fährt er alleine.

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Endlich angekommen in Tel Aviv. Erstes Erschrecken: Die Stadt ist mindestens ebenso hügelig wie ihr Pflaster schlecht. – Bevor ich mich weiter vorwage, inspiziere ich deshalb erstmal den Strand. Da gibt es wenigstens keine Anstiege. Die Wege hier wurden anscheinend erst kürzlich neu angelegt. Und dies geradezu vorbildlich aus Rollstuhlperspektive. Worüber man sich auch nicht beklagen kann, ist die Anzahl von Behindertenparkplätzen (siehe Beweisfoto). Wenn die Hälfte aller Israelis morgen beschließen würde, nur noch im Rollstuhl herumzufahren, gäbe es zumindest keine Parkplatzprobleme. Aber ich begegne in der ganzen Woche kaum anderen Rollstuhlfahrern. Die bleiben wohl lieber zu Hause. Das zeigte sich auch bei der Abreise. Die Sicherheitsrituale am Flughafen Ben Gurion sind ja legendärt. Aber dennoch hoffte ich, diese mit einem fröhlichen Betroffenheitsgesicht vielleicht sogar umgehen zu können. Doch weit gefehlt. Dem ersten Sicherheitsbeamten, einem jungen Mann, bin ich ein zu heikler Fall. Also übergibt er mich an seinen etwas erfahreneren Kollegen. Der stellt die gleichen Fragen, bekommt die gleichen Antworten – und ist dennoch nicht von meiner Harmlosigkeit überzeugt. Soll sich doch die Chefin um den Rollstuhlfahrer kümmern! Und die nimmt es mit den Fragen besonders genau. Nachdem ich zum zehnten Mal erklärt habe, dass ich nach München fliegen würde – mittlerweile bin ich mir selbst nicht mehr sicher – erklärt sie, dass die Situation eben „strange“ sei, schließlich wäre ich ja behindert. Ich nicke zustimmend. Schließlich parkt sie mich vor dem Bereich, in dem die Koffer aller Reisenden aufgerissen werden. Nachdem mein Geldbeutel mehrfach geröntgt wurde und auch ich entsprechend mehrfach abgetastet, mit und ohne Schuhen, entlässt man mich irgendwann in die Freiheit des Duty-Free. Nach anderthalb Stunden. Dabei hätte es ruhig noch länger dauern können, denn das Flugzeug nach Deutschland ist noch nicht einmal gelandet. Und wird mich auch nur bis in das im Schnee versunkene Berlin bringen, wo dann das nächste Abenteuer beginnt. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Die nächste Meditation von Maximilian Dorner erscheint am 4. April. Wenn Sie einen Themenvorschlag oder eine Frage haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an: bloghaus@maxdorner.de