Über Gerechtigkeit 3

Was bedeutet Gerechtigkeit für einen Menschen mit einer chronischen Krankheit? In einer dreiteiligen Reihe macht sich Maximilian Dorner Gedanken über eine Frage, die sich jeder irgendwann einmal stellt: Ist das gerecht

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Ist es nicht so, dass man schon allein dadurch Gerechtigkeit herstellt, indem man Ungerechtigkeit benennt? Indem man Recht spricht? Ein Stück weit sicherlich. Indem man jemand verantwortlich macht. – Die Verhältnisse, das System, den Kapitalismus, die Gier. Für Krankheit fallen sie alle aus. Wer ist bereit, dafür die Verantwortung zu übernehmen? Gott vielleicht. Der große Schweigende. Doch an ihm prallen alle Klagen ab über die Ungerechtigkeit in der Welt. Man muss ihm zugute halten, dass er einen wenigstens klagen lässt. Sogar ungerecht werden, ihn beschimpfen, darf man.

Was könnte Gott mir antworten? Wenn er einen schlechten Tag hat, könnte er sagen: Stell dich nicht so an. An guten Tagen mit den Schultern zucken und erklären: Irgendwas ist da wohl schief gelaufen, ich kann mir das auch nicht erklären. – Alles möglich. Nur vor einer göttlichen Antwort hätte ich Angst. Wenn er nämlich sagen würde: Es macht mir Freude, dich leiden zu sehen. Die Menschen würden mich furchtbar langweilen, wenn sie sich nicht vor Schmerz krümmen würden.

Wahrscheinlich würde ein solcher Gott mein Erschrecken über diese Bemerkung sogar auskosten. Und mich dann daran erinnern, dass ich im Theater und im Kino doch nichts anderes tun würde.

Mit seinem Schicksal hadern – Diese Redewendung ist aus der Mode geraten. Dabei ist „hadern“ eigentlich ein schönes Wort, weil darin auch viel Energie steckt. Jemand, der hadert, gibt nicht klein bei. Ich nehme mir also vor, in Zukunft mehr zu hadern … Aufzubegehren und die daraus entstehende Energie umzulenken, um mehr aus meinem Leben zu machen.

Mein Sonnentag am Strand von Zandvoort endete folgendermaßen: Sowohl des Weinens als auch des Herumfahrens auf dem Deich am Meer war ich recht schnell überdrüssig. Kurzentschlossen habe ich auf gut Glück den Weg zum Strand hinunter genommen, der mir am wenigsten steil vorkam. Unten angelangt wähnte ich mich wie im Paradies. Die Strandbar bestand hauptsächlich aus locker verteilten Sitzgruppen aus Holzliegen dick belegt mit weichen Kissen. Und wie für mich gemacht. Der Tag versank in Seligkeit. Da ist sie doch, matt und schwach aber dennoch unübersehbar: ausgleichende Gerechtigkeit. Ich bin wieder mit mir versöhnt.

Das Leben ist in seiner Ungerechtigkeit manchmal gerecht. – Noch so ein Widerspruch in dieser an Widersprüchen reichen Welt.

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Die nächste Meditation von Maximilian Dorner erscheint am 5. September. Wenn Sie einen Themenvorschlag oder eine Frage haben, schreiben Sie bitte eine E-Mail an: bloghaus@maxdorner.de