Unterschiede im Gehirn erklären, warum Frauen häufiger an MS erkranken

ST. LOUIS (sr) – Multiple Sklerose tritt bei Frauen nahezu viermal häufiger auf als bei Männern. Die Gründe dafür sind bisher nicht bekannt.

Ergebnisse einer Studie, die von Forschern der Universitätsklinik St. Louis, USA, nun in der Fachzeitschrift „Journal of Clinical Investigation“ veröffentlicht wurde, deuten darauf hin, dass geschlechtsspezifische Unterschiede im Gehirn dafür verantwortlich sein könnten. Die Forscher konnten zeigen, dass Frauen mit MS sehr viel höhere Mengen eines bestimmten Proteins mit der Bezeichnung “S1PR2“ produzieren als Männer und dass die Konzentrationen dieses Proteins in Bereichen des Gehirns, die von der MS betroffen sind, in noch viel höheren Konzentrationen vorkommt. Dazu untersuchten sie Gewebeproben aus dem Gehirn von 20 verstorbenen Patienten. In den Proben von Patienten mit MS fanden sie mehr S1PR2 als in denen ohne die Krankheit. Gewebeproben von Frauen zeigten darüber hinaus wesentlich höhere S1PR2-Spiegel als solche von Männern. „Die Entdeckung dieses Proteins war ein regelrechtes „Aha-Erlebnis“, sagt Dr. Robyn Klein, Hauptautor der Veröffentlichung. „ Als wir dann seine Funktionsweise im Gehirn von Mäusen untersuchten, stellten wir fest, dass es dafür verantwortlich ist, ob die für die Entzündungsvorgänge bei MS verantwortlichen Immunzellen die Blut-Hirn-Schranke passieren und ins Gehirn übertreten können“.

Die Blut-Hirn-Schranke ist eine Struktur in den Blutgefäßen des Gehirns, die reguliert, welche Stoffe aus dem Blut in das Gehirn und die Rückenmarksflüssigkeit übertreten dürfen. Schädliche Substanzen werden durch diese Barriere normalerweise abgeblockt. Versagt dieser Mechanismus, können die für die MS verantwortlichen entzündlichen Zellen in das Zentral-Nervensystem gelangen. „Das ist ein aufregender erster Schritt zur Aufklärung der Frage, warum die MS-Raten bei Frauen dramatisch höher sind als bei Männern“, resümiert Dr. Klein. „Vielleich können unsere Ergebnisse dazu beitragen, die Häufigkeit der MS zu verringern bzw. ihre Symptome besser zu kontrollieren.“

Quelle: Medical News Today vom 12. Mai 2014