Vernachlässigte Sturzprophylaxe

Menschen mit Multipler Sklerose (MS) sind aufgrund ihrer neuromuskulären Symptomatik und wegen Gleichgewichtsstörungen einem erhöhten Sturzrisiko ausgesetzt. Obwohl die Stürze häufig schwerwiegende Folgen nach sich ziehen, werden weniger als die Hälfte aller Patienten über Präventionsmöglichkeiten aufgeklärt.
Das geht aus einer Befragung von 449 in Gemeinschaftseinrichtungen lebenden MS-Patienten hervor, deren Ergebnisse Dr. Patricia Noritake Matsuda, Seattle, Washington (USA), auf einer Fachtagung der American Academy of Neurology (AAN) vorgestellt hat.
Mit 59 Prozent berichteten die meisten der Befragten, mindestens einmal in den letzten sechs Monaten gestürzt zu sein. Als führende Ursachen für die Stürze ermittelte Matsuda Muskelschwäche in den Beinen und vor allem Gleichgewichtsstörungen. Fast die Hälfte der Stürze kamen durch Stolpern und Ausrutschen beim einfachen Gehen vor, was in 58,5 Prozent aller Fälle ernsthafte Verletzungen nach sich zog. Im Einzelnen nannte die Studienautorin Frakturen (28 Prozent), Verstauchungen und Zerrungen (32 Prozent), Verwundungen und Schürfungen (54 Prozent) sowie Kopfverletzungen (drei Prozent).
Dennoch berichteten nur 51 Prozent der Betroffenen ihrem medizinischen Betreuer von ihrem Unfall. Und selbst unter diesen bereits Geschädigten wurden nur 72 Prozent darüber aufgeklärt, wie sie strategisch gezielt künftige Stürze vermeiden könnten. Dabei gibt es eine ganze Reihe wirksamer präventiver Maßnahmen, wie aus der Auflistung von Matsuda hervorging:
– Sicheres, rutschfestes und gut sitzendes Schuhwerk
– Sicherheitsstrategien beim Gehen wie gezieltes Abbremsen
– Koordinationstraining für ein verbessertes Gangbild
– Gleichgewichtstraining
– Beseitigung von Rutsch- und Stolperfallen im häuslichen Umfeld und am Arbeitsplatz
– Einführung in den Gebrauch von Gehhilfen: vom Stock über den Rollator bis hin zum Rollstuhl