Welt-MS-Tag: Fehldiagnosen bei Multipler Sklerose verhindern

Darmstadt (sr) – Die Symptome einer Multiplen Sklerose ähneln vor allem zu Beginn der Erkrankung wegen ihres häufig nur kurzzeitigen Auftretens einer Vielzahl anderer Krankheiten, die meist als banal eingeordnet werden. So scheint es nicht verwunderlich, dass Ärzte in Deutschland die MS trotz guter Diagnosekriterien erst drei bis vier Jahre nach Auftreten der ersten Anzeichen erkennen.Zwar kann die Diagnose mittels Nachweis mehrerer Entzündungsherde im zentralen Nervensystem, Magnetresonanztomografie (MRT) sowie Untersuchungen des Serums und der Rückenmarksflüssigkeit heute bereits nach Auftreten der ersten Symptome vermutet werden. “Es gibt aber vor allem in frühen Stadien unklare Fälle”, so Professor Dr. med. Buchner, Vorstandsmitglied der “Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung” (DGKN).Um hier eine Verbesserung herbeizuführen, rät die DGKN anlässlich des Welt-Multiple-Sklerose-Tages sogenannte evozierte Potentiale (EP) zu nutzen. Mit dieser Methode kann man hochempfindlich und schnell messen, wie gut Nervenbahnen Signale weiterleiten. Bei der EP-Methode werden durch Sinnesreize in der Großhirnrinde elektrische Potentialänderungen ausgelöst. Im speziellen Fall der MS betrachtet der Patient ein Schachbrettmuster, bei dem in Sekundenabständen die Farben von schwarz zu weiß und umgekehrt wechseln. Die dadurch ausgelösten elektrischen Potentiale in der Sehrinde werden aufgezeichnet. “In nicht eindeutigen Fällen können evozierte Potenziale die Diagnose sichern”, so Buchner, Chefarzt an der Klinik für Neurologie und klinische Neurophysiologie in Recklinghausen. “Bei MS-Patienten messen wir etwa nach Stimulation die visuelle Leitfähigkeit durch das Auge, den Sehnerv und das Gehirn”, erklärt Buchner. Studien belegen, dass oft auch ohne klinische Vorgeschichte einer Sehstörung dabei 42 bis 100 % der MS-Patienten auffällige Werte zeigen. Ganz neue Möglichkeiten versprechen evozierte Potenziale bei der Prognose von MS. So zeigte sich in einer aktuellen Studie mit 50 Patienten, dass die EP in 70 % der Fälle  eine Vorhersage des Krankheitsverlaufs für die folgenden drei Jahre ermöglicht.Quelle: Pressemitteilung der DGKN vom 23.05.2012, http://idw-online.de/de/news479071