Wissenschaftler entwickeln neue Wirkstoffklasse gegen MS

Halle/Magdeburg (sr) Mehr Wirkung und weniger Nebenwirkung verspricht jetzt eine neue Wirkstoffklasse gegen Multiple Sklerose (MS). Dazu haben Wissenschaftler um Prof. Gunter Fischer von der Max-Planck-Forschungsstelle in Halle/Saale und Dr. Frank Striggow vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Magdeburg zwei bereits bekannte Arzneimittel über eine chemische „Brücke“ miteinander verbunden.Ursache der Multiplen Sklerose sind körpereigene Angriffe auf die Myelinscheide, die die Fortsätze der Nervenzellen umgibt. Wird das Myelin dadurch zerstört, führt dies zur Störung der Signalleitung und schließlich zum Tod der betroffenen Nervenzellen. Die Wissenschaftler haben deshalb nach neuen Möglichkeiten gesucht, die Hirnzellen gegen diese Angriffe zu schützen. Als Bausteine für die Herstellung ihrer neuen Arzneimittelklasse verwendeten sie die Wirkstoffe Ciclosporin und Tacrolimus, die beide schon in leicht abgewandelter Form als sogenannte Immunsuppressiva in der Medizin eingesetzt werden. Die spezifische Verbindung beider Substanzen führt dazu, dass die schützende Wirkung auf die Nervenzelle durch unterschiedliche, sich gegenseitig verstärkende (synergistische) Wirkmechanismen verbessert wird. Gleichzeitig werden die unerwünschten Wirkungen beider Substanzen auf das Immunsystem verringert. Damit sinken die Nebenwirkungen. Beide Effekte konnten schon experimentell nachgewiesen werden.Jetzt wurde die neue Wirkstoffklasse zum Patent angemeldet. „Die Erteilung eines Patentes kann mehrere Jahre dauern. In dieser Zeit möchten wir die präklinische Entwicklung abschließen und sobald wie möglich in die klinische Forschung und Entwicklung gehen. Insgesamt sehen wir ein erhebliches therapeutisches Potential in Bezug auf chronische undaltersbedingte neurodegenerative Erkrankungen“, so Dr. Frank Striggow.Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE) vom 26.11.2012, http://idw-online.de/de/news508861