Wissenschaftler lassen neue Gehirnzellen wachsen

Erlangen/Nürnberg (sr) – Wissenschaftlern um Prof. Dr. Dieter Chichung Lie vom Institut für Biochemie der der Universität Erlangen-Nürnberg, ist es zusammen mit Forschern der Universitäten Mainz und München gelungen, das Wachstum bestimmter Gehirnzellen zu stimulieren. Dies könnte langfristig dazu beitragen, neue Ansätze für die Therapie neurologischer Krankheiten wie der Multiplen Sklerose zu finden.Das Gehirn von Erwachsenen kann sich nur in einem sehr geringen Umfang regenerieren. Die Ausnahme sind einige Regionen, in denen die dort ansässigen Stammzellen neue Gehirnzellen bilden: zum einen Nervenzellen, die für die Informationsweitergabe zuständig sind, und zum anderen Gliazellen, die ganz unterschiedliche Aufgaben im Gehirn übernehmen. Beispielsweise bilden die sogenannten Oligodendrozyten Myelinscheiden, die die Nervenzellfortsätze umhüllen. Diese Markscheiden wirken als eine Art Schutzmantel, ähnlich wie Isolierschichten eines Kabels, und helfen so dabei, die elektrischen Impulse zwischen den Nervenzellen ungestört zu übertragen. Für die zielsichere und schnelle Weitergabe von Signalen im Gehirn, aber auch im Rückenmark sind intakte Myelinscheiden äußerst wichtig. Bei der Multiplen Sklerose zum Beispiel sterben die Oligodendrozyten ab. Die Folge davon sind die für die Krankheit typischen neuronalen Funktionsstörungen.Zellwachstum und Zellvermehrung wird im Allgemeinen durch Botenstoffe wie z.B. die Hormone gesteuert. Diese werden über das Blut zu den fraglichen Zellen transportiert, wo sie schließlich andocken und ein Signal ins Zellinnere senden, das die Zellteilung initiiert. Der Mechanismus, mit dem das Vermehrungssignal durch die Zelle zum Zellkern geleitet wird, wird als Signalweg bezeichnet. Ein solcher Signalweg ist z.B. der „Wnt-Signalweg“. Die Forscher konnten nun im Tiermodell nachweisen, dass die Vermehrung der Oligodendrozyten im Gehirn über den Wnt-Signalweg stimuliert wird. Wird dieser Übertragungsweg blockiert, bildet das Gehirn umgekehrt keine neuen Oligodendrozyten. Die Wissenschaftler wollen diese  Erkenntnisse nutzen, um bei neurologischen Krankheiten wie der Multiplen Sklerose die abgestorbenen Oligodendrozyten durch neu gebildete Zellen zu ersetzen.Quelle: Pressemitteilung der Universität Erlangen-Nürnberg vom 8.5.2013 sowie „Nature Cell Biology“ (2013) online publiziert am 5.5.2013