Wurm-Pille gegen MS

PARKVILLE (sr) – Schon seit geraumer Zeit diskutieren Wissenschaftler über einen möglichen Zusammenhang zwischen den hohen Hygienestandards in den westlichen Länder und der dort zu beobachtenden Zunahme von Autoimmunerkrankungen.

So sind Wurminfektionen in den entwickelten Ländern relativ selten, die Rate an Autoimmunerkrankungen dagegen ist hoch. In den Entwicklungsländern gilt hingegen eher das Umgekehrte. So wurde in einer Reihe von kleineren klinischen Studien getestet, inwieweit eine Therapie, bei der Patienten mit bestimmten Wurmparasiten infiziert werden, gegen Autoimmunerkrankungen wie die Multiple Sklerose (MS) wirksam ist. Tatsächlich kam es bei einem Großteil der Patienten zu einer Besserung ihrer Erkrankung.

Eine Forschergruppe um Professor Ray Norton am Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der Monash Universität in Australien hat nun versucht herauszufinden, welche Substanzen in den Würmern für diese Effekte verantwortlich sein könnten. Bei der Analyse der Erbsubstanz des parasitisch lebenden Hakenwurms Ancylostoma caninium entdeckten sie ein Peptid mit der Bezeichnung AcK1, das Reaktionen des Immunsystems abschwächen kann. Sie fanden heraus, dass dieses Peptid nahe verwandt ist mit “ShK”, einer Substanz aus der Seeanemone, die derzeit in klinischen Prüfungen zur Therapie der MS untersucht wird.

“Unsere Forschungsergebnisse zeigen, dass die positiven Ergebnisse einer „Wurmtherapie“ einzelnen, speziellen Substanzen zu verdanken ist”, meint Dr. Sandeep Chhabra, Mitarbeiter am Institut für Pharmazeutische Wissenschaften. “Als nächstes wollen wir versuchen, eine Pille zu entwickeln, die das Immunsystem bei Patienten mit Autoimmunerkrankung dämpft. Das ist dann auf jeden Fall besser, als sich mit Würmern behandeln zu lassen”, so Dr. Chhabra weiter.

Quelle: Chhabra S. FASEB Journal, doi: 10.1096/fj.14-251967, online publiziert am 2. Juni 2014, nach http://www.medicalnewstoday.com/releases/280878.php, 13 Aug. 2014